Sitz ruhig, sonst wirst du krank!

Der deutsche Kinderarzt Michael Hauch schreibt gegen den Therapiewahn an

Stadtleben | Interview: Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 41/15 vom 07.10.2015

Ab wann braucht ein Kind eine Therapie? Der deutsche Kinderarzt Michael Hauch appelliert in seinem Buch "Kindheit ist keine Krankheit" an Eltern, ihren Kindern mehr Zeit zur Entwicklung zu geben. Der Falter hat mit ihm gesprochen.

Falter: Herr Hauch, haben Tests und Therapien wirklich dramatisch zugenommen?

Michael Hauch: In Deutschland haben Heilmitteltherapien in den letzten zehn Jahren um fast 50 Prozent zugenommen hat. Über die gesamte Kindheit hinweg werden 40 Prozent der Buben und über 30 Prozent der Mädchen irgendwann therapeutisch behandelt, dabei gibt es nur fünf Prozent chronisch kranke und behinderte und maximal sieben Prozent Kinder mit schweren Entwicklungsstörungen.

Wer profitiert von diesem Trend?

Hauch: Die Politik ist froh, wenn sie pädagogische "Probleme" in den medizinischen Bereich abschieben kann. Das spart Steuergelder. Die Krankenkassen schreien nicht auf, weil sie nur auf die Gesamtkosten schauen. Die niedergelassenen Therapeuten, deren Zahl sich in den letzten


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