"Was gut ankommt, ist eine kleine Explosion"

Wegen Twitter scheiterte Eric Jarosinski als Wissenschaftler. Wegen Twitter wurde er zum Star. Ein Gespräch über Scheitern, Erfolg, Sucht, Macht und Adorno

Medien | INTERVIEW: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 41/15 vom 07.10.2015


Foto: Heribert Corn

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Die Wege des Herrn sind unergründlich, insbesondere die des Herrn Eric Jarosinski. Der amerikanische Professor für Germanistik wollte ein wissenschaftliches Werk schreiben und sich damit um eine Stelle an einer Elite-Uni bewerben. Doch dann entdeckte er den Kurznachrichtendienst Twitter. Anstatt sich um die Uni-Karriere zu kümmern, schuf er eine Kunstfigur und begann unter dem Namen „NeinQuarterly“ zu twittern. Die Karriere als Wissenschaftler ging in die Brüche. Die als Twitterer begann.

Jarosinskis Trumpf ist intelligenter Humor, seine Kurznachrichten sind Aphorismen. Seit 2012 sammelte er rund 120.00 Leser (im Twitter-Sprech: „Follower“). Das amerikanische Magazin Slate nennt ihn einen der „Lieblings-Nihilisten des Internets“, die deutsche Wochenzeitung Die Zeit meint, er könne „der erste hauptberufliche Twitter-Künstler“ werden, die Schweizer Neue Zürcher Zeitung beschreibt ihn als „Phänomen“. Jarosinskis Einträge sind so beliebt, dass ihn Die Zeit als Kolumnisten engagierte und der S. Fischer Verlag soeben sein Aphorismen-Büchlein „Nein. Ein Manifest“ herausbrachte. Vergangene Woche gastierte er in Graz und Wien, um sein neues Werk vorzustellen.


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