Fragen Sie Frau Andrea

Mach mir Macheloikes

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Kolumnen | aus FALTER 41/15 vom 07.10.2015

Liebe Frau Andrea, Nina und ich haben gestern "Schauplatz Gericht" geschaut. Da hat eine Schrebergartenbesitzerin in der Donaustadt das - anscheinend Altwiener - Wort "Machaloites" verwendet. Der Obmann mache "Machaloites" oder so ähnlich. Ein herrliches Wort, zu dem ich keine Informationen finde. Können Sie mir weiterhelfen? Beste Grüße vom Praterstern, Joseph Gepp, Leopoldstadt

Lieber Joseph, liebe Nina,

in die laufende Debatte zwischen Schrebergärtnerinnen, Obmännern und Schauplatzkibitzen wollen wir uns nicht einmischen, wohl aber in die Klärung der Begriffe. Das von Ihnen gehörte und seither gesuchte Wort lautet nicht "Machaloites", wohl aber sehr ähnlich, nämlich "Macheloikes". Die lautmalerische Silbenfolge zirkuliert in der Bedeutung "Machenschaften","Betrügereien","unlautere Praktiken" und ist tatsächlich Bestandteil des Altwiener Sprachschatzes. Trotz seiner Ähnlichkeit mit den deutschen Vokabeln "Machen", "Macht" und "Machenschaften"(das gaunersprachliche "machen", etwa "eine Bank machen" bedeutet ja das Begehen einer Tat) hat unser Begriff keinen germanischen, ja nicht einmal einen indoeuropäischen Ursprung. Wie viele Ausdrücke im Wienerischen kommen die Macheloikes aus dem Jiddischen.

Dort bezeichnet machlójkeß, machlokes, machlaukes familiensprachlich den Streit, die Streiterei, den Zank. Wie aus den häuslichen Zores (jidd. Sorgen, Leiden, Unglück) die Chuzpe (jidd. Unverschämtheit, Frechheit) einer korrupten Handlung, gewissermaßen illegaler Reibach (von jidd. rewach, Weite, Vorteil, Gewinn) wurde, ist noch Gegenstand sprachwissenschaftlicher Untersuchungen. Der Ausgang von Macheloikes ist auch für Gojim nicht selten die Mechulle (von jidd. mechule, verdorben), also der Bankrott. Meschugge (jidd. verrückt) wäre, wer beim Begehen von Macheloikes das Mischpet (jidd. mischpot, Gericht) oder gar das Mackelbajes (jidd. makel, Stock, Prügel; bajis, Haus), schlicht das Gefängnis nicht fürchtete. Es sei denn, er hätte Massel (jidd. Glück) und wäre nur mit der Mischpoche (jidd. Familie), den Mechutten (jidd. Verschwägerte) oder dem Meschuttef (Gesellschafter, Compagnon) in Konflikt und müsste nur um Mechiele (jidd. mechila, Verzeihung) bitten.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige