Enthusiasmuskolumne Diesmal: Der beste Benefiz-Sampler der Welt der Woche

Für das Gute und gegen das Böse

Feuilleton | GERHARD STÖGER | aus FALTER 41/15 vom 07.10.2015

Die Geschichte popmusikalischer Charity-Aktionen ist lang, ebenso die Kritik daran. Die Einwände sind ästhetischer ("'Do They Know It's Christmas?', wie bitte was?!?) oder grundsätzlicher Natur ("einem Geldsack wie Bono glaube ich kein Wort!"), dazu kommt der Generalverdacht, es gehe ja doch nur um Selbstpromotion.

Die Pop-Reaktionen auf die aktuelle Flüchtlingssituation reichen von einer zum österreichischen Nummereins-Hit gewordenen Schweigeminute bis zu einem alten Antifa-Schlager der deutschen Spaß-Punks Die Ärzte, der, frisch heruntergeladen, an der Spitze der deutschen Charts landete. In beiden Fällen bedeutete das von der Botschaft abgesehen vor allem auch: Geld für die gute Sache.

Ob das auch "Melodies for Refugees" gelingen wird? Aktuell so zugkräftige Namen wie Wanda oder Bilderbuch fehlen; der vom Wiener Songwriter Bernhard Eder initiierte CD-Sampler mit 20 Vertreterinnen und Vertretern der österreichischen Indie-Musikszene ist trotzdem eine erfreuliche Initiative - und vor allem auch ein dieser Tage so wichtiges klares Nein zu Ironie und Zynismus. Die Botschaft "Für das Gute und gegen das Böse" mag weder überraschend noch sonderlich komplex sein, falsch ist sie deshalb aber auch nicht. Und so singt der große Arik Brauer zur Begleitung von Garish "Sein Köpferl im Sand", Attwenger treffen Harri Stojka, Kreisky wüten, Fijuka, Leyya und Dawa verbreiten Sanftmut, Eder singt sich den Ärger von der Seele und Christian Wirlitsch sagt unmissverständlich "Hey es reicht".

Dass ein Protestlied auch ganz anders klingen kann, zeigen Willi Landl und Karl Sayer: Nur mit Stimme und-Kontrabass interpretieren sie Frankie Goes To Hollywoods Eighties-Hadern "The Power of Love" - und bieten so einen akustischen Schutzschild gegen den Hass.


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