Roland Neuwirth: "Walther Soykas Einfühlungsvermögen sucht seinesgleichen"

Feuilleton | Protokoll: S. Panzenböck | aus FALTER 41/15 vom 07.10.2015

War es 1981 oder 1982? In Großrußbach lief ein Volksmusikseminar. Ich hatte die Abteilung Wienermusik über. Abends im Weinkeller wurde aufgespielt. Und da stand ein hübscher, 16- oder 17-jähriger Jüngling mit lockigem Haar. Er spielte Ländler auf der Steirischen Harmonika. Eine empfindsame, suchende Seele.

Als solche ließ er sich von mir einreden, doch besser gleich die "richtige" Knöpferl zu lernen. Die wienerische, wo alle Töne drauf sind. Es gab niemanden, der sie spielte. Irgendwie musste ich etwas ausgestrahlt haben, eine gewisse Besessenheit vermutlich. Jedenfalls setzte sich der Bursche hin und brachte sich das Instrument in kürzester Zeit selbst bei. Als er die ersten sechs Stücke beisammen hatte, traten wir auf.

Ganze 20 Bühnenjahre sollten es werden. Wir waren Pioniere. Walther war ein ehrgeiziger Kämpfer. An meiner Seite sicher der maßgeblichste von allen. Er schrieb auch die schönsten Arrangements, wenn ich ihn darum bat. Er half in jeder Lebenslage. Genauso dankbar bin ich ihm für viele CD-Mixes. Doch es gab auch tiefe Meinungsverschiedenheiten zwischen uns. Schließlich wollte er nur noch weg und sich von mir emanzipieren. Sollte ich ihm gegenüber tatsächlich gesündigt haben, so hat er mich meine Sünden die letzten fünf Jahre seiner Spielzeit abbüßen lassen, da bin ich mir sicher. Dass wir dennoch eine lange, großartige Zeit miteinander verbracht haben, kann uns niemand nehmen.

Walther Soyka ist inzwischen aus der Wiener Szene nicht wegzudenken. Sein Einfühlungsvermögen und sein fundamentiertes Wissen auf dem wienerischen Gebiet suchen seinesgleichen. Dass ich daran nicht unschuldig bin, freut mich.


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