Stadtrand Urbanismuskolumne

Völker, hört die Signale!

Birgit Wittstock verfolgt den jährlichen Zivilschutzprobealarm im Meidlinger Gemeindebau

Stadtleben | aus FALTER 41/15 vom 07.10.2015

Vergangenen Samstag war 's wieder einmal so weit: der alljährliche Zivilschutzprobealarm . Überhören war unmöglich, ab zwölf Uhr Mittag dröhnten sämtliche Sirenen der Stadt. Was heißt der Stadt des ganzen Landes. 8200 röhrten österreichweit los, 184 waren es in Wien. Flüchtlinge hatte man rücksichtsvollerweise mittels mehrsprachiger Aushänge vorgewarnt. Netter Zug. Bloß dass sich so ein Trauma halt relativ schlecht mit Intellekt und Vernunft unterdrücken lässt. Die Betroffenen wissen dann zwar, dass kein Bombenangriff bevorsteht, Panikattacken kann die Geräuschkulisse trotzdem auslösen. Aber ja: Safety first.

Auch so manch autochthoner Wiener fühlte sich durch die 45-minütige Sirenenprobe angegriffen. In seinem Wochenendschlaf. Die Reaktionen ließen aber eher auf einen Angriff gegen Leib und Leben schließen: Im Meidlinger Gemeindebau wurde ein gutes Dutzend Fenster aufgerissen, begleitet von liebenswerten Wiener Idiomen wie: "Heast, es Oaschlecha, hoits de Pappn!" Aus dem zweiten Stock flog ein Mistkübel. Trotzdem setzte wienweit nur eine einzige Sirene aus.


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