Die indische Wachtel

Endlich wieder ein etwas anderer Inder abseits von Folklore und Tradition

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 41/15 vom 07.10.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Vorerst einmal ganz demütige Entschuldigung dafür, dass ich vorige Woche die Adresse des wunderbaren Kim-Lokals so verbockt habe. Ist natürlich nicht Währinger Straße 9, sondern Währinger Straße 46. Sorry für etwaige Verwirrung und Verirrung.

Beim neuen Sindh weiß ich die Adresse jedenfalls ganz genau, schließlich stand ich schon viermal vor der verschlossenen Türe, bis sich Iftikhar Chattha dann doch entschloss, einmal aufzumachen. Aber okay, erstens tüftelte er lange am kulinarischen Konzept, das eben definitiv anders sein sollte als bei den anderen indischen Lokalen, von denen es in der unmittelbaren Umgebung des Sindh ja reichlich gibt; und zweitens kochte er die vergangenen drei Wochen für 120 schwangere Frauen im Lager Traiskirchen. Ist also völlig okay, die Verzögerung.

An der Stelle, wo er vorige Woche sein Sindh dann doch eröffnete, war quasi immer schon ein indisches Lokal. Das hieß lange Khajuraho Palace, dann Khajuraho Palace Zum Inder, 2011 sperrte es zu. Und als Iftikhar Chattha, der schon 2008 mit seinem extravagant gestylten Indus für zumindest optische Abwechslung unter den indischen Lokalen Wiens gesorgt hatte, es übernahm, versicherte ihm der Vorbesitzer: „Hier geht nichts.“

Aber Chatthas Pläne waren ja auch sehr ambitioniert: eine Art Indoor-Markt mit Biergarten und offener Küche, ein Platz, an dem sich westliche und indische Küche ungezwungen treffen. Ein Wechsel des Hausbesitzers machte diese Vision allerdings (vorerst) zunichte, Chattha und sein Architekt Christoph Hess fuhren also Plan B, eine Mischung aus Chai-Room und Tapas-Bar, ein Lokal, in dem man auf Hockern, mit Fell überzogenen Bänken, Bodenstufen und an einer Betonbar lässig herumfläzen und dabei kleine Portionen indischer Gerichte bekommen kann – etwas andere indische Gerichte halt.

Eine kleine Portion wunderbar würzigen Melanzanisalats mit geröstetem, fettem Naan-Fladenbrot, Vogerlsalat und etwas frischer Minze zum Beispiel, sehr gut. Oder ein kleines Schälchen vom pakistanischen Linsencurry oder vom Hühnercurry, auch sehr gut, aber halt noch recht konventionell (€ 4,90). Oder ein fantastisches, mit Minzsauce bedecktes und im Tandoori-Ofen geröstetes Huhn, Jössas, gut (€ 6,–).

Hier wolle er aber eben auch Sachen machen, für die ihm im Indus der Platz fehlt, sagt Chattha, so zum Beispiel Tandoori-Wachtel, die da im Ganzen im Tonofen knusprig röstet und dann mit dieser schon irgendwie irrsinnig scharfen Minzsauce und Tamarinde auf den Teller kommt. Streetfood einmal wirklich ganz anders und sehr super (€ 9,90). Bei der Weinauswahl halfen Freunde aus Gumpoldskirchen mit, gezapft wird unter anderem Kaltenhauser Bernstein aus der Craft-Beer-Brauerei der Heineken/Brau-AG, bekommt man selten. Gekocht wird bis Mitternacht.

Resümee:

Ein neuer Inder, der endlich nicht nur anders aussieht, sondern sich auch kulinarisch ein bisschen von der Tradition löst.

Sindh
7., Burggasse 64
Tel. 0650/786 10 60
Di–Sa 17–1 Uhr


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige