Tiere

Fremdworte

Peter Iwaniewicz hofft, dass es im Weltraum wegen der NASA-Post keinen Shitstorm gibt

Falters Zoo | aus FALTER 41/15 vom 07.10.2015


Neunzehnsiebenundsiebzig war ein gutes Jahr. Die Ölkrise war weitgehend überwunden, der globale Wirtschaftsmotor brummte wieder und Arbeitskräfte wurden gesucht. Da dachte man in der damaligen Euphorie offenbar auch an Außerirdische und sandte an Bord der interstellaren Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 auf einer 30 Zentimeter großen, vergoldeten Scheibe aus Kupfer eine freundliche Botschaft an die p.t. Aliens. Der UN-Generalsekretär, damals Kurt Waldheim, sandte „Grüße im Namen der Völker unseres Planeten“ und versicherte den möglicherweise verängstigten Fremdlingen außerhalb unseres Sonnensystems: „Wir treten aus unserem Sonnensystem ins Universum auf der Suche nur nach Frieden und Freundschaft“.

Nicht alle waren damit zufrieden. Der Biologe Karl Erben forderte, dass man auch Bilder von hungernden Kindern, Geräusche von sterbenden Walen und Hinweise auf die kriegerische Geschichte des Planeten ins All senden sollte, um zu vermeiden, dass die erste Nachricht, die wir an unsere „Brüder“ im All senden, eine Lüge sei. Und dann kamen Zweifel auf, ob die durch diese Versprechungen möglicherweise angelockten interstellaren Asylanten auch wirklich mit unserem Wertesystem kompatibel wären.

Wer weiß denn schon, ob die mitgesandte Playlist mit Aufnahmen von aserbaidschanischen Sackpfeifen, dem Initiationsgesang zairischer Pygmäenmädchen und US-amerikanischem Rock ’n’ Roll das sittliche Gefühl der Aliens verletzen würde?

2010 meinte der prominente Astrophysiker Stephen Hawking, Aliens könnten über die Erde herfallen, sich ihrer Ressourcen bemächtigen und weiterziehen, wenn der Planet ausgelaugt sei. Ja, US-Amerikaner wissen, wovon er spricht.
In Europa haben wir auch dazugelernt und begegnen einer möglichen Bedrohung per EU-Verordnung gegen „Invasive Alien Species“. 37 auf- und eindringliche Tier- und Pflanzenarten wurden lokalisiert, die es in Zukunft zu „managen“ gilt. Auf dieser schwarzen Liste findet sich auch der bislang unauffällig gebliebene Waschbär. Unklar ist nur, welche „echten“ Europäer durch diesen Zuwanderer bedroht werden. Das allergieverursachende und sich rasant ausbreitende Ragweed ist hingegen nicht aufgelistet. Ungarn hatte sich dagegen ausgesprochen, weil der Aufwand für Bekämpfungsmaßnahmen zu groß sei.

Realität und Satire sind nicht mehr zweifelsfrei unterscheidbar (© Walter Gröbchen).


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