Kommentar Rot-Grün in Wien

Wenn Feigheit siegt: Hätte es doch ein Wahlbündnis gegeben!

Falter & Meinung | BARBARA TÓTH | aus FALTER 42/15 vom 14.10.2015

Es gibt ein Ergebnis der Wahltagsforschung, das die Strategen der SPÖ und Grünen in Wien sehr nachdenklich stimmen sollte. Unter den Wählern beider Parteien ist die Zufriedenheit mit der Arbeit der Wiener Stadtregierung dermaßen ausgeprägt, dass es fast schon unwahrscheinlich klingt.

Jeweils 90 Prozent der roten und grünen Wählerinnen gaben an, "sehr zufrieden" oder "eher zufrieden" mit den letzten fünf Jahren unter rot-grüner Ägide zu sein. Immerhin 29 Prozent der Roten und 26 Prozent der Grünen können sich mit dem Urteil "sehr zufrieden" identifizieren.

Wäre das nicht, im Rückblick, eine beeindruckende Basis für ein rotgrünes Wahlbündnis gewesen? Immer wieder ist dieser Gedanke, vor allem unter grünen Stadtpolitikern, im Vorfeld des Wahljahres ventiliert worden.

Bevor es zum Bruch wegen der Wahlrechtsreform kam, wohlgemerkt. Die SPÖ hat dieses Ansinnen von Anfang an strikt von sich gewiesen. Ein Wahlbündnis? So etwas hat eine Wiener SPÖ doch nicht nötig!

Sie hat es, strategisch gesehen, wirklich nicht nötig gehabt. Aber es wäre ehrlicher und fairer gewesen, Seite an Seite mit dem kleinen Koalitionspartner, den Grünen, anzutreten, als die dritte Neuauflage eines " Duells" gegen die FPÖ und deren aus dem Bund ausgeliehenen Spitzenkandidaten Heinz-Christian Strache auszurufen. Worüber wurde am Sonntag abgestimmt? Über die Politik der vergangenen Legislaturperiode. Aber es war auch eine Art informelle Volksabstimmung über den Umgang mit der "F-Frage": der Flüchtlingsfrage.

Wenn es ein "rot-grünes" Thema gibt, dann dieses. Ein Grund mehr, dass ein Wahlbündnis diesmal Sinn gemacht hätte.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige