Mediaforschung Verführungskolumne

Kunst statt Werbung: Ein Ad-Blocker für Straßenplakate

Medien | BENEDIKT NARODSLAWSKY | aus FALTER 42/15 vom 14.10.2015

Werbung nervt. Die hochentwickelte Zivilisation hat dieses Problem noch nicht vollständig gelöst. Aber sie hat Antworten darauf gefunden. Postwurfsendungen kann man heute mithilfe von hässlichen Aufklebern sowohl vom Postkasten als auch von seiner Haustür fernhalten. In der virtuellen Welt befördern Ad-Blocker blinkende Reklamemonster ins Jenseits.

Welche Möglichkeit aber haben jene Millionen Menschen, die täglich in U-, S-und Straßenbahnen verkehren und den kapitalistischen Aufmerksamkeitsmagneten im öffentlichen Raum ausgeliefert sind?

Man blicke nach Berlin. Dort gibt es seit kurzem eine App mit dem vielversprechenden Namen "No Ad". Sie ersetzt Plakate und Rollboards durch Kunstwerke. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, funktioniert das Ganze so: Man startet das Programm, aktiviert damit die Handy-Kamera und beobachtet die Welt durchs Display. Das Programm erkennt die meistverbreiteten Werbeplakate der Stadt. Das Display zeigt die Umgebung, wie sie ist, nur überblendet die schlaue App die Werbeflächen mit Kunstwerken: Fotografien, Pop-Art, Straßenkunst - solchen Sachen. Rund 100 verschiedene Bilder hat das Programm gespeichert, um die Werbungen zu überlagern. Diese Entwicklung bringt die hochentwickelte Zivilisation noch ein Stückchen höher.

Wer sich gegen die Boten des Konsums wehren will, aber weder Smartphone noch Tablet in der Tasche hat, dem bleibt eine altbewährte, analoge Anwendung: Augen zu und durch.


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