Am Apparat Telefonkolumne

War das Duell um Wien nur ein Fake, Herr Hofinger?

Politik | INTERVIEW: BARBARA TÓTH | aus FALTER 42/15 vom 14.10.2015

SPÖ und FPÖ kämpfen in Wien um Platz eins, mit hauchdünnem Vorsprung, das Duell ist offen: So oder so ähnlich titelten die Medien vor der Wien-Wahl. Das Endergebnis zeigte dann, dass die SPÖ mit fast sieben Prozentpunkten vor der FPÖ lag. Wir fragten bei Sora-Chef Christoph Hofinger nach, warum.

Herr Hofinger, war das Duell um Wien inszeniert?

Nein, es war keine Fiktion. Es gab kein Institut, das nicht sehr knappe Ergebnisse, einen Gleichstand oder sogar die FPÖ voran liegen hatte.

Wieso ging die Wahl dann anders aus?

Das liegt an der Umfragetechnik, die wir nun überdenken müssen. Wir fragen immer danach, wen jemand bei der letzten Wahl gewählt hat. Das nennt sich "recall" und dient uns zur Gewichtung der Hochrechnung des kommenden Wahlverhaltens.

Genau diese "Recall-Gewichtung" funktioniert nicht mehr?

Offenbar. Wir wollen das mit einer vergleichenden Studie präzisieren. Menschen haben immer öfter Schwierigkeiten bei der Rückerinnerung an ihr Wahlverhalten. In Wien wurde beispielsweise auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene 2006,2008,2010 und 2013 gewählt. Immer mehr Wähler wechseln. Für Stammwähler ist die Rückerinnerung leicht, für alle anderen offensichtlich nicht. Das geht quer durch alle Bildungsschichten. Dazu kommt: Viele haben den Wechsel von Rot zu Blau schön länger hinter sich, identifizieren sich aber immer noch als "Wechselwähler".

Sollte die Veröffentlichung von Umfragen knapp vor den Wahlen verboten werden ?

Nein. Erstens lassen sich Leaks in Zeiten der Social Media gar nicht mehr verhindern. Zweitens würde das nur dazu führen, dass es eine informierte Elite gibt, die Bescheid weiß -und dieses Wissen nicht teilt. Das wäre ein massives Transparenzproblem.


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