Kolumne Außenpolitik

Syrische Metastasen breiten sich in der Türkei aus

Falter & Meinung | RAIMUND LÖW | aus FALTER 42/15 vom 14.10.2015

Syrien gleicht einem unbehandelten Krebsgeschwür, das sich unaufhaltsam ausbreitet. Vor vier Jahren war die Türkei ein Beispiel für das demokratische Potenzial eines islamischen Landes. Als Folge der syrischen Verwerfungen ist jetzt der Bürgerkrieg mit den Kurden neu aufgeflammt. Ankara will verhindern, dass die kurdische PKK vom Zerfall des Nachbarstaates profitiert. Inspiriert von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat nehmen Anschläge und Gewalttaten zu. Das Selbstmordattentat in der türkischen Hauptstadt bedroht die Wahlen Anfang November und damit den gesamten brüchigen Parlamentarismus der Türkei.

Hinter dem Status der Türkei als Beitrittskandidat der Europäischen Union steht die Vision einer in Europa verankerten islamischen Gesellschaft, die als Brücke zum unruhigen Nahen Osten fungiert. Das Land von oben herab abzukanzeln gehörte trotzdem lange zum Standardrepertoire vieler Politiker von Wien bis Paris. Bei seinem jüngsten Besuch in Brüssel war es plötzlich der


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