Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Hört her!

Steiermark | Donja Noormofidi | aus FALTER 42/15 vom 14.10.2015

Seit rund einer Woche kampieren im Grazer Stadtpark unweit der Polizeidirektion an die zwanzig Flüchtlinge großteils aus Syrien und dem Irak -in Zelten, bei Regen und sinkenden Temperaturen. Zum Teil warten die Männer bereits seit einem Jahr auf das entscheidende Gespräch vor der Asylbehörde. Jetzt wollen sie nicht mehr und stellen Forderungen: schnellere Verfahren, um ihre Familien nachzuholen, eine Möglichkeit zu arbeiten. Bis ihre Forderungen erfüllt sind, wollen sie protestieren.

Dass die Flüchtlinge nicht schicksalsergeben in ihren Unterkünften ausharren, lässt bei den Blauen wieder die Sicherungen durchbrennen. In einer Aussendung wütet Stadtrat Mario Eustacchio, "diese Herrschaften" hätten ihr "Asylrecht verwirkt" und spricht von "frecher Erpressung".

Doch das stimmt nicht: Tatsächlich warten derzeit auch Syrer mitunter sehr lange auf ihre Einvernahme, bestätigen Asylanwälte und NGO. Das Schlimmste ist die Ungewissheit, denn die Flüchtlinge wissen nicht, wann ihr Interview stattfindet. Manche werden schnell vorgeladen, andere warten schon ein Jahr. Und sitzen auf Nadeln, denn viele bangen um ihre Familien, die sie in Kriegsgebieten zurücklassen mussten. Klar, die Behörden sind mit den vielen Asylanträgen überfordert. Trotzdem müsste man den Menschen zumindest einen Zeithorizont nennen, syrische Flüchtlinge könnten zudem vorgezogen und ihre Anträge in einem schnelleren Verfahren behandelt werden, da sie ohnehin meist Asyl bekommen. Und das Personal gehört rasch aufgestockt, fordert etwa die Wiener Asylkoordination. Bis das geschieht, haben die Flüchtlinge im Stadtpark keine andere Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen.


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