Menschen

Gewählt gewählt!

Falters Zoo | LUKAS MATZINGER BARBARA TÓTH BIRGIT WITTSTOCK | aus FALTER 42/15 vom 14.10.2015

Nicht, dass Wahlpartys die Seitenblicke-Gesellschaft anziehen. Aber so wenig Prominenz, wie das SPÖ-Wahlzelt neben dem Burgtheater am Sonntagabend anzog, gab es schon lange nicht. Gut, Medienmanager Hans Mahr war da, aber der hatte Bürgermeister Michael Häupl schon im Wahlkampf brav die Aufwartung gemacht. Ex-Minister wie Karl Blecha und Rudolf Edlinger zählen vielleicht zur Parteiprominenz, aber der Glamourfaktor ist gering. Adi Hirschal schlich umher, immerhin. Noch viel ärmer war die ÖVP dran. Es war ohnehin nur ein jämmerliches Feierhäufchen, das sich neben dem bummvollen, bummlauten und bummdreist platzierten FPÖ-Partyzelt neben dem Rathaus im überschaubaren Büro der Stadtpartei versammelte. Bernhard Görg, einst

ÖVP-Wien-Stadtrat, jetzt Autor, schaute vorbei. Sonst kam -niemand. Die Grünen feierten im tiefgrün ausgeleuchteten Volksgarten-Pavillon und blieben dort ebenfalls unter sich. Prominenz - Fehlanzeige. Bleiben die Blauen. Dort klatschten mit Bussen aus der Provinz angekarrte Gäste zum "Wir sind das Volk"-Geschrei der Wiener Parteigänger. Aber bekannte Gesichter aus Funk und Fernsehen suchte man vergeblich. Unterm Strich: nicht sehr glamourös, diese Wahl. Weder vom Ergebnis her noch vom Promi-Faktor der Wahlpartys.

Wenn der Landesjägermeister Josef Pröll, Kaisermühlen-Fünfer Gerald Pichowetz, Verdienstzeichen-Trägerin Jazz Gitt i, Bundespräsident-Wannabe Rudolf Hundstorfer, Operetten-Schauspielerin Sigrid Hauser, Ferrari-Fahrer Heribert Kasper samt großbusiger Freundin Ella, Brustvergrößerer Jörg Knabel, Romy-Vati Rudolf John, ORF-Liebling Angelika Niedetzky und der ulkige Fernsehkoch Andreas Wojta zusammenkommen, kann das zwei Gründe haben: Entweder ruft der gute Zweck oder der Sohn eines Puffnfabrikanten, der einen Weinkeller eröffnet hat. Diesmal war es Zweiteres: Der schöne Robert Glock, Sohn des Waffenindustriellen Gaston Glock, hat ins schöne Untergeschoß seines schönen Restaurants Livingstone einen wunderschönen Weinkeller zimmern lassen. Obengenannte kamen und tranken und freuten sich in die Kamera. Es herrschte Waffenverbot.

Vergangenen Samstag taten einige prominente Freunde des Bezirks Neubau etwas ganz Großes: Sie feierten den Startschuss der Initiative #ShopLocal. Die hat sich verdienstvollerweise der Rettung lokaler Kleinunternehmen verschrieben. Wegen Internet und so. Dort waren Schauspieler Stefano Bernardin, Shopbesitzer Klaus Mühlbauer, Fotografin Sabine Hauswirth, Schauspielerin Susanne Gschwendtner und noch ein paar mehr. Aber: Neubau retten? Echt jetzt? Gibt's in Wien nicht massig Grätzel, wo wirklich niemand mehr einkauft?

Das Beste kommt zum Schluss. Die steirische Modemacherin Lena Hoschek hat für die Unterwäschemarke Palmers Unterhosen und BHs und Korsagen und Strapse und alles in den Edelsteinfarben Saphirblau, Rubinrot und Smaragdgrün entworfen. Die 17 Teile waren ihre allererste Arbeit für darunter. Jetzt ist das allein schon kein Bemmerl, doch wen die Hoschek am Mittwoch zur Präsentation in die intime Vintage-Dinner-Location Mezzanin 7 gelotst hat, kann als eigentlicher Hingucker der ganzen Geschichte gewertet werden: Desirée Treichl-Stürgkh war da. Die Adlige, die ewige One-Woman-Show, die Unterschätzte, die Opernball-Doyenne, die liebende Mutter und Schutzpatronin der Reichen und Schönen erwies der intimen Gesellschaft die Ehre. "Eine wirklich gelungene, wunderschöne Kollektion", lobte sie schließlich unaufdringlich und bescheiden. Und glänzte dabei wie in schimmernd-schönster Staatsopernrobe.


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