Kunst Kritik

Queer: Wer wird schlau aus Pink, Lila, Blau?

Lexikon | NS | aus FALTER 42/15 vom 14.10.2015

Ist das eine Bühne oder doch nur der Backstagebereich? "Comedy of Margin Theatre" titelt die verrätselte Ausstellung, die die US-Künstlerin Emily Roysdon im Keller der Secession zeigt. Zunächst sticht eine halbhohe Wand in Pink ins Auge, auf der 20 violette Keramikuhren hängen. Die Uhren sind dreieckig, ihre Oberkante und je ein Zeiger wellig geformt - das sieht gut aus, aber was hat es zu bedeuten?

Hinter der Wand steht wie in einer Künstlergarderobe ein Ständer mit einem Kostüm. Auf Oberteil und Hose sind die Architekturelemente Säulen und Bögen gemalt. Der Ausstellungstext verrät, dass es sich um einen Entwurf von Giorgio de Chirico für die Tanzkompanie Ballets Russes von 1929 handelt. Der Künstlerin gefällt der interdisziplinäre Ansatz einer Zusammenarbeit zwischen Tanz und Malerei.

Roysdons Hintergrund ist die queer-feministische Kunst-und Aktivistenszene New Yorks, wo sie auch die Kunstzeitschrift LTTR mitbegründet hat. Publikationen spielen im Werk der 1977 geborenen Professorin an der Stockholmer Kunsthochschule eine ebenso wichtige Rolle wie Performances. Text wird in der Ausstellung vielfach verwendet, zum Beispiel in einer extra produzierten Künstlerpublikation mit Beiträgen von gleichgesinnten Kollegen, die auf einen Text von Roysdon reagiert haben, oder durch Zitate von Virginia Woolf und dem Künstler Jack Smith, die auf dem Boden zu lesen sind.

Die Schau bietet also eine Fülle von Referenzen auf, die jedoch reichlich verstiegen rüberkommen. Das ist schade, denn die Künstlerin hätte ja auch kritische Messages; aber sie verliert sich eher in ihren eigenen Assoziationen, als dass sie etwas davon vermitteln würde. Und so kommt sich die Betrachterin in ihren Installationen so verloren vor wie eine Statistin in einem ihr unbekannten Stück.

Secession, bis 31.1.


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