Selbstversuch

Und jetzt ein paar Optimierungsvorschläge

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 42/15 vom 14.10.2015

Ich muss es jetzt leider sagen: Ich habe es ja gesagt. Vor zwei Wochen. Hier. Dass die Rechten wie immer irgendwas um die 30 Prozent machen werden, dass wir anderen eine satte Mehrheit zwischen 65 und 70 Prozent zusammenbringen werden, dass es nicht so schlimm werden wird in Wien.

Recht zu haben hat, ehrlich gesagt, selten so viel Freude gemacht. Ich saß im Auto, hörte Radio und konnte eine Stunde lang diese Wahltagsumfrage nicht fassen. Dann die ersten Hochrechnungen, die der Peter Daser zuerst nicht verkünden, weil nicht glauben wollte; das sei jetzt nicht plausibel. Dann das Gebrüll der Roten im Hintergrund. Ein bisschen unrecht zu haben hat aber auch Freude gemacht, weil ich in einer privaten kleinen Meinungsumfrage zwar der SPÖ 40 Prozent prophezeite, der FPÖ aber 34, und Letzteres ist es dann doch nicht geworden. Macht nichts.

Ich wünsche mir für Wien in den nächsten fünf Jahren: Erstens, dass Vassilakou Vizebürgermeisterin bleiben soll, auch wenn sie diesen blöden Rücktrittsblödsinn geredet hat. Der wiegt, meine Ansicht, nicht annähernd so viel wie die furchtlose und konsequente Politik, die sie die letzten fünf Jahre gemacht hat. Eine Politik nämlich, die, meine Meinung, eben nicht auf Wiederwahl schielte, sondern eher dem Grundsatz geschuldet war, dass man jetzt einmal fünf Jahre zur Verfügung hat, um so viele gute Ideen wie möglich umzusetzen, seien sie im Moment auch noch so unpopulär. So eine Politik hat eine Fortsetzung verdient, und sie ist auch wünschenswert, weil vor allem verkehrspolitisch und durchaus von einem Fahrrad herunter betrachtet noch einiges zu tun ist.

Zweitens ist das mit der inneren Wandlung der SPÖ, von der Häupl am Wahlabend sprach, eine schöne Idee, deren Umsetzung ich begrüßerte, an die ich allerdings leider keinen Augenblick glaube. Warum sollte sich ein Machtapparat ändern, der gerade wieder seine Stärke und Leis tungsfähigkeit bewiesen hat? Dabei wäre genug zu tun, weil die SPÖ ja nicht nur aus Hackern und Co besteht, sondern auch in Wien durchaus aus Leuten besteht, die keinerlei Genierer hätten, die Macht im Notfall auch mithilfe der Freiheitlichen zu erhalten.

Und es gibt diese dicke Teflonschicht aus Unsdochegal, die auch mit den kratzigsten Moral-Drahdiwaberln nicht zu zerstören ist und die z.B. dazu führt, dass noch immer inserateweise Millionen in Boulevardzeitungen investiert werden, deren Leser letztlich dann ohnehin mehrheitlich Strache wählen. Im Wiener Sonderfall dürfen diese Zeitungen auch noch die öffentlichen Verkehrsmittel und die Hirne ihrer Passagiere verschmutzen. Das wünsche ich mir als erste Hygienemaßnahme: dass die Boxen mit den Gratiszeitungen aus dem öffentlichen Raum und vor allem den U-Bahn-Stationen verschwinden. Ich als Wienerin fühle mich von diesem Müll, um mich auch mal ein bisschen aufzuregen, extrem belästigt.

Weitere Vorschläge zur Wienoptimierung werden folgen, bitte, gern.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige