Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 42/15 vom 14.10.2015

Pop

U.S. Girls: Half Free

Unter dem Namen U.S. Girls hat Meghan Remy bisher eine Reihe wilde Lo-Fi-Platten veröffentlicht. "Half Free", ein Themenalbum über Frauen in schwierigen Beziehungen, ist ihr bis dato zugänglichstes und eingängigstes Werk. Nicht dass Remy plötzlich 08/15-Pop fabrizieren würde - ihr System kennt von Rock 'n'Roll der Phil-Spector-Ära über Dub und Free-Jazz-Ausbrüche bis zu modernem R&B keine Grenzen. Die einzelnen Songs kommen aber erfreulich fokussiert daher. Intensiv wie kaum etwas derzeit. (4AD) SF

Jazz

Made To Break: Before The Code

US-Saxofonist Ken Vandermark tritt hierzulande quasi im Zweiwochentakt auf, es ist daher nicht verwunderlich, dass er seit einiger Zeit ein Projekt mit dem Wiener Elektroniker Christof Kurzmann hat. Der Bandname meint die Sollbruchstelle, die Heterogenität ist also wohl gewollt. Die unterschiedlichen Einflüsse generieren freilich nur momentweise ein stimmiges Drittes, das über die bloße Addition von Free Jazz/Improv mit den genreüblichen Geräuschen und Soundscapes hinausgeht. (Trost) KN Blue Tomato, 15.10,20.30

Klassik

Natalie Dessay: Fiançailles pour rire

Von der Oper hat sich Natalie Dessay zurückgezogen, umso intensiver widmet sich die Koloratursopranistin ihrer anderen Leidenschaft, dem Lied. Hier singt sie Chansons von fünf französischen Komponisten des Fin de Siècle, vertonte poetische Miniaturen großer Literaten wie Paul Verlaine oder Théophile Gautier, voller Witz und Charme, tiefgründig und abgründig. Gelegentlich geht die Opernsängerin etwas zu sehr mit ihr durch, bei all den sonst so delikat erzählten Geschichten ist das aber rasch wieder vergessen. (Erato) MDA


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