Schrekers "Der ferne Klang" bringt ein reiches Klanggewebe an die Grazer Oper

Lexikon | Opernkritik: Herbert Schranz | aus FALTER 42/15 vom 14.10.2015

Am Ort seiner österreichischen Erstaufführung (1924) ist Franz Schrekers heute wenig bekannte Oper "Der ferne Klang" (1912) eine Bereicherung für den Grazer Spielplan. Das gilt besonders für ihre einzigartig synkretistische Musik, die vom Grazer Philharmonischen Orchester und vom Sängerteam unter Marius Burkert sehr anschaulich gemacht wird; weniger für Schrekers eigenes, zeitbefangenes Libretto und leider kaum für die unklare Regie von Florentine Klepper.

Schrekers Musik ist an emphatischen Gesangsstellen zwar noch an Wagner gebunden, orientierte sich sonst aber an der französischen Avantgarde seiner Zeit, den Ganztonleitern Debussys, Ravels schillernder Ballettmusik und ihrer russischen Einflusssphäre. Der Komponist erweist sich als Kenner dieser internationalen Stile, die er stärker als seine Wiener Kollegen organisch fusionierte. Dem Reiz dieses reichen Klanggewebes kann Florentine Klepper durch zahlreiche Undeutlichkeiten in ihrer Regiearbeit zu wenig zur Seite stellen. Die Akteure sehen einander kaum an. Das bleibt als Zeichen für das ständige Sich-Verfehlen der Protagonisten genauso unbestimmt wie bloß punktuelles Rückwärtskriechen von Grete (Johanni van Oostrum) beziehungsweise Fritz (Daniel Kirch). Die Südafrikanerin Johanni van Oostrum verblüffte als Prostituierte Greta neben ihrem überzeugenden Gesang durch akrobatische Einlagen an der Gogo-Stange. Viele andere Regieelemente erschienen aber dekorativ oder unorganisch, weder konsequent "natürlich" in den Bewegungen noch konsequent artifiziell. Auf diesem "Mittelweg" gelang keine Deutung des Opernstoffes.

Oper, Graz, Do 19.30, So 15.00


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