Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: India Pale Ale

Ein IPA, das auf elegante Weise eine Oktave schafft

Stadtleben | MS | aus FALTER 42/15 vom 14.10.2015

Schon wieder ein India Pale Ale (IPA): Diesmal kommt es aus Österreich, genauer aus Zwettl von der gleichnamigen Brauerei Zwettler. Der Name Sanjana, der ein wenig an eine Automarke erinnert, stammt aus dem Indischen und bedeutet übersetzt so viel wie Harmonie. Bei IPA an Harmonie zu denken, ist etwas gewagt, ist es doch im Fall von Sanjana ein aus vier verschiedenen Sorten Hopfen obergärig gebrautes Starkbier (6,7 Prozent), dessen Bitterkeit nicht für jeden Gaumen geeignet ist. Aber das ist bei jedem IPA so und im Fall von Sanjana funktioniert die Sache tatsächlich harmonisch, was die geschmackliche Eleganz betrifft. Einzig die so typisch tropisch-fruchtigen "Obertöne", wie sie bei den IPAs der britischen und amerikanischen Marken vorkommen, findet man bei Sanjana nur wenig ausgeprägt. Deswegen ist die Harmonie auf eine Oktave beschränkt und kann nicht auf jenes breite Spektrum zurückgreifen, wie man es von BrewDog, Thornbridge oder Rogue Nation kennt.

Auch beim Design gibt man sich vorsichtig. Die piktogrammartigen Hopfenblätter und die reduzierte, und dennoch verschnörkelte Schrift auf dem Etikett wirken allzu harmlos: Die Flasche würde auf den ersten Blick als Wellnessdrink durchgehen. Ab Mitte Oktober ist das Getränk in den gängigen Supermärkten erhältlich. Die Kosten für ein 0,33-Liter-Format (circa zwei Euro) liegen unter jenen importierter Craft-Biere, nach denen man in letzter Zeit so gierig jaulte. Fazit: Sanjana ist sehr okay, aber es gibt deutlich bessere.


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