Kommentar Gesellschaftspolitik

Playboy ohne nackte Bunnys: Kein Sieg für den Feminismus

Falter & Meinung | Barbara Tóth | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015

Es ist sehr schade, dass der amerikanische Playboy ab sofort auf seine legendären Nacktfotos verzichtet. Und es ist absolut kein Sieg des Feminismus, im Gegenteil. Legendär waren die Playmates des herrigsten aller Herrenmagazine nicht nur deswegen, weil sie für die Generation aller heute 40plus-Jährigen eine der wenigen möglichen Strickleitern auf dem Weg rauf ins sexuell mündige Erwachsenwerden waren.

Für beide Geschlechter übrigens. Männer interessierten die Nackten von Natur aus, als Frau lernte man viel über die Inszenierung des männlichen Blicks. Es war immer ein wenig die "Achtung, ertappt"-Ästhetik, die den Playboy ausmachte. Manchmal verschwitzt, manchmal lächerlich, in Summe überwiegend ästhetisch - und auch respektvoll. Legendär wurde der Playboy auch, weil er Legenden machte. Marylin Monroe, die unverhüllt auf dem Cover der Erstausgabe 1953 posierte, ist nur eine davon. Das Magazin betrieb die Nacktfotografie als Kunstform - und bildete damit auch Geschmack und Stil seiner Zeit ab.

Vorbei. Weil, wie Playboy-Chef Scott Flanders erklärte, jeder "jetzt gratis einen Klick von jedem nur vorstellbaren Sex-Akt entfernt" ist, lohnt sich das altbackene Geschäft mit der Darstellung nackter Frauenkörper auf Hochglanzpapier einfach nicht mehr. In anderen Worten: Youporn hat das Geschäft des Playboy ruiniert.

Deswegen sollte das Aus für die Nackedeis im amerikanischen Playboy (der deutsche behält sie bei) nachdenklich machen. Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn sich Nacktdarstellungen mit Qualitätsanspruch nicht mehr lohnen, anonyme Massen-und Gratispornografie aber schon?


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