Der Weihnachtsmann der Avantgarde

Mit dem US-Künstler Joseph Cornell feiert das Kunsthistorische Museum einen Außenseiter der Moderne. War er wirklich modern?


Rundgang: Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015

Als Salvador Dalí 1936 bei einem Besuch in einer New Yorker Galerie zufällig einen Film von Joseph Cornell (1903-1972) sah, wurde er ausfällig. Cornell hatte Fragmente eines Hollywoodfilms so zusammengefügt, dass eine assoziative, fantastische Bilderzählung entstand. "Diebstahl!", fluchte der katalanische Gast, der in dem Kurzfilm sein eigenes Verfahren zu erkennen glaubte.

Das Werk von Joseph Cornell ist nun in einer empfehlenswerten Ausstellung des Kunsthistorischen Museums zu sehen. "Fernweh", die erste Retrospektive Cornells in Österreich, zeigt das Schaffen eines Außenseiters, der zwar die Nähe zu den Kunstströmungen der Zeit suchte, aber keiner Gruppe angehörte. Er schrieb der surrealistischen Malerin Dorothea Tanning Briefe in Collageform und verwendete die neue Technik der Assemblage, also collagierte Objekte.

Mit den umstürzlerischen Ideen der 1920er-Jahre hatte der Nerd aus einem New Yorker Vorort allerdings nichts zu tun. Nicht der Durchbruch in die Wirklichkeit, den

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