Vorarlberger Kärnten

Die ehemalige Zentrale der "Wilden Wanda" wurde zur puristischen Bar

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Als Georg Aichmayr 2002 in der Rotensterngasse sein Shabu Kafe eröffnete, war die als einzige Zuhälterin Wiens einigermaßen legendäre Wanda Kuchwalek, die „Wilde Wanda“, noch am Leben. Im „Café Kärnten“, wie das spätere Shabu damals hieß, ging die wegen ihrer Brutalität gefürchtete Frau während der 1970er- und 1980er-Jahre ihren Geschäften nach. Aber das ist Geschichte, 2004 verstarb Kuchwalek als Mindestrentnerin, und auch das Shabu ist passé, übersiedelte diesen Frühling ins Automat Welt am Volkertmarkt.

Vor drei Wochen machte hier was Neues auf und man hat fast ein bisschen das Gefühl, dass da eine Art Exorzismus stattgefunden hätte: Die Wände wurden abgekratzt, die Einrichtung – im Shabu noch weitestgehend wiederverwertet – entsorgt, die Bar an eine andere Stelle platziert, Wände durchbrochen. Außer dem unsäglichen Klinkerboden ist da jetzt überhaupt nichts mehr vom verruchten Hauptquartier der bösen Frau übriggeblieben, die dunkle Vergangenheit scheint getilgt, und zu guter Letzt erhielt das Lokal dann sogar noch den Namen einer der Protagonisten aus dem erfolgreichen Kinderbuch „Freunde“: Franz von Hahn.

Damit hat sich’s dann mit der Harmlosigkeit aber in Wirklichkeit eh schon, und tatsächlich haben Lukas Amann und Viktor Gruber, zwei junge Männer aus Vorarlberg, die in den vergangenen Jahren im Futuregarden und dessen Ableger New Bar kellnerierten, einfach ein ganz neues Lokal gemacht, wo vorher halt schon ein paar andere waren.

Ein sehr puristisches Lokal, muss man sagen, dessen Einrichtung im Wesentlichen aus einer gegossenen Betonbar, aus jeder Menge filigraner Stäbchen-Glühbirn-Lampen – die offenbar in Reaktion auf die Bässe aus den Lautsprechern blinken, blitzen und funkeln –, aus eben reichlich düsterer Endzeit-Musik und ebenso reichlich Zigarettenqualm besteht. Sehr nihilistisch.

Okay, und das dürfte gerade einem Zeitgeist entsprechen, denn das Franz von Hahn wird durchaus gut besucht, wie auch Viktor Gruber etwas überrascht feststellen muss, „von ehemaligen Shabu-Leuten, von Futuregarden-Leuten und von Freunden“. Das Angebot ist eher karg, ein paar Gins, ein paar Rums, ein paar Wodkas, ein paar Schnäpse, ein paar Whiskys, darunter dann aber immerhin drei von der Insel Islay, den bekannt rauchig-torfigen Lagavulin und die zwei selteneren Kilchoman (sehr salzig, torfig) sowie Cask Islay. Und weil es irgendwie zum Lokal passt, auch keine irgendwie ausgefeilten Designer-Cocktails, sondern Alltime-Partyhits wie Cuba Libre und Whisky-Cola.

Da käme demnächst aber noch ein bisschen was, sagt Gruber. Und wenn’s klappt, soll es auch noch einen Club namens Johnny Mauser geben, „und wenn wir alt sind, ein Gasthaus Dicker Waldemar“. Das sind nämlich die anderen beiden Hauptfiguren dieses Kinderbuchs …

Resümee:

Eine neue, sowohl atmosphärisch als auch kulinarisch durchwegs puristische Bar, die nicht nur bei Rauchern gut ankommt.

Franz von Hahn
2., Rotensterng. 8
Tel. 0650/884 50 65
Mo–Fr 18–2, Sa 19–2 Uhr
www.franzvonhahn.at


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