Sport Glosse

Der Kaiser und das Geld regieren die Fußballwelt

Stadtleben | Johann Skocek | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015

In den ersten sieben Jahrzehnten stieg Franz Beckenbauer vom Kleinbürgersohn zum Kaiser aller deutschen Ballesterer auf. Aus einem einzigen Grund: Er hielt den Blick hoch, wenn der Ball am Fuß klebte. Diese Fähigkeit wird er brauchen, wenn der Skandal um die mutmaßlich gekaufte WM 2006 in Deutschland aus den Tiefen des politischen und rechtlichen Raums auf ihn zustürmt. Beckenbauer war der Chef des Organisationskomitees. Er besuchte alle 24 Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees, die wählen ja den Veranstalter. Nie habe er jemandem Geld für seine Stimme gegeben, sagt er. Sein engster Berater war und ist Fedor Radmann, einer der gefinkeltsten Strippenzieher des Sportbusiness. Radmann lernte das Geschäft beim Adidas-Eigentümer Horst Dassler. Der soll die internationale Sportkorruption praktisch im Alleingang erfunden haben. Die Idee: Verbinde Sportevents wie Olympische Spiele, Fußball-EM und -WM mit Konzernen und verkaufe das Paket an TV-Stationen. Die Idee hat sich durchgesetzt. Außer Radmann lernten auch IOC-Präsident Thomas Bach und der suspendierte Fifa-Präsident Joseph Blatter bei Dassler. Und Beckenbauer ist ihr Testimonial. Die nächsten 70 Jahre sind immer die schwersten.


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