Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Ein einstiger Wehrsportler im Präsidium des Parlaments

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015

FPÖ-Politiker Norbert Hofer, Dritter Nationalratspräsident und damit formal einer der mächtigsten Männer im Land, bekommt einen neuen Büroleiter. Für diesen Job hat er sich keinen Unbekannten ausgesucht. René Schimanek soll ab 1. November als Angestellter des Parlaments für Hofer arbeiten. Der Vertrag sei zwar noch nicht unterzeichnet, sagt der künftige Büroleiter, "aber es ist bereits fix vereinbart".

Schimanek erregte nach der schwarz-blauen Regierungsbildung im Jahr 2000 Aufsehen. Da sollte er im Presseteam des blauen Justizministers Michael Krüger arbeiten, und das, obwohl Schimanek, wie der Falter damals berichtete, an paramilitärischen Übungen der Neonazi-Szene teilgenommen hatte, die sein Bruder Hans-Jörg Schimanek gemeinsam mit Gottfried Küssel veranstaltet hatte. Beide waren deshalb wegen NS-Wiederbetätigung zu Haftstrafen verurteilt worden. Nachdem der Artikel erschienen war, sagte Krüger, Schimanek habe "nur kurz zu seinem Team gehört". Er sei nie Pressesprecher von Krüger gewesen, sagt Schimanek heute, "ich habe mich nur um Krügers Post gekümmert, weil dessen Mitarbeiterin länger nicht da war". Später arbeitete er im Parlament für die damalige FPÖ-Abgeordnete Mares Rossmann. Bei den Nationalratswahlen 2006 kandidierte Schimanek für das BZÖ. "Damals war ich Mitarbeiter der Pressestelle im BZÖ-Klub, und wir mussten alle kandidieren", sagt Schimanek. "Ich war aber immer ein Freiheitlicher und bin auch FPÖ-Stadtrat von Langenlois."

Seine Beteiligung an Nazi-Wehrsportübungen sei nur zufällig gewesen. "Die Lager, die mein Bruder veranstaltet hat, waren an unserem Wohnort, natürlich habe ich dort vorbeigeschaut." Auch Neonazi Küssel habe er getroffen, "aber als Freundschaft würde ich das nicht bezeichnen. Dafür war nicht nur der Altersunterschied zu groß, ich teile auch Küssels Ideologie nicht. In einer gefestigten Demokratie hat der Nationalsozialismus keinen Platz."


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