Buch der Stunde

Lesbische Liebesspiele und läppisches Leid

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015

In ihrem Debüt "Feuchtgebiete" ließ Charlotte Roche die Leser in alle Körperöffnungen schauen. In ihrem zweiten Roman "Schoßgebete" schrieb sie sich die Trauer über ihre Familientragödie - ihre drei Brüder kamen im Juni 2001 auf dem Weg zu ihrer Hochzeit bei einem Autounfall ums Leben - und die Wut über die Berichterstattung der Bild-Zeitung von der Seele. Was beide Bücher verband, war ihre Sprachlosigkeit. Roche bemühte sich erst gar nicht darum, eine Erzählsprache zu finden, sondern behielt ihren berufsjugendlichen Moderatorinnensprech bei. Die Schnoddrigkeit, mit der sie einst als TV-Persönlichkeit unterhielt, wirkt zwischen Buchdeckeln allerdings deplatziert und dementsprechend schnell nervig.

Dieses Problem hat nun auch Roman Nummer drei, der zusätzlich noch darunter leidet, dass er im Gegensatz zu seinen Vorgängern nichts Brennendes mehr mitzuteilen hat. Vergessen wir die Vorberichterstattung, die den Skandal des Buches darin witterte, dass Roche über eine Mutter schreibe,


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