Große Hoffnungen und starke Frauen

Die türkisch-kurdischen Filmtage geben Einblicke ins aktuelle Filmschaffen und schenken Zeit

Lexikon | DONJA NOORMOFIDI | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015

Filme abseits des Mainstreams, mit Schwerpunkt Feminismus, das versprechen die türkisch-kurdischen Filmtage in Graz. Neun Lang-und sieben Kurzfilme, alle erstmals in Graz zu sehen, bieten einen Einblick ins aktuelle türkisch-kurdische Filmschaffen. Immer wieder stehen dabei Frauen im Mittelpunkt. "Die Unterdrückung der Frau ist ein Thema, aber es gibt viele selbstbewusste Frauen, die für ihre Rechte kämpfen", erklärt Handan Özbaş vom Verein Jukus, der die Filmtage veranstaltet.

Und so beschäftigt sich schon der Eröffnungsfilm mit drei Frauen, die vor mehr als 40 Jahren als Frauen von sogenannten Gastarbeitern aus der Türkei nach Österreich gekommen sind. Sehr offen berichten sie in "22 m 2 Österreich" über arrangierte Ehen, ihre großen Erwartungen an Europa und die oft harte Realität. 22 Quadratmeter maß etwa die Wohnung, in der eine der Protagonistinnen jahrelang mit ihrer Familie wohnte. Alle drei Frauen wollten eigentlich wieder zurück in die Türkei und blieben am Ende doch, den Kindern zuliebe. Die Geschichten der Frauen könnten auch helfen, jene Menschen, die heute nach Österreich kommen, besser zu verstehen. Regisseur Ufuk Serbest wird am Eröffnungstag mit dem Publikum diskutieren (Mi, 19.30 Uhr).

"The Fall from Heaven" verknüpft die Geschichte eines kurdischen Mädchens mit jener der Türkin Emine, die Bauingenieurin ist, und thematisiert anhand der beiden Frauenschicksale auch die Spannungen zwischen Kurden und Türken. Der Spielfilm von Ferit Karahan wurde beim Antalya-Filmfestival ausgezeichnet (Do, 19.00 Uhr).

Wer mehr Zeit hat, sollte sich auch "Winterschlaf" von Nuri Bilge Ceylan anschauen. Das Drei-Stunden-Epos um das Leben des ehemaligen Schauspielers Aydin, seiner jüngeren Frau Nidal und seiner frisch geschiedenen Schwester Necla wurde 2014 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. "Man muss Zeit mitbringen und bekommt Zeit geschenkt", schreibt die FAZ über den Film. Klingt doch vielversprechend.

UCI Annenhof, bis 1.11., www.jukus.at/cinema


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