Fuchs, Geier und Rabe à la Commedia dell'Arte: "Volpone" am Schauspielhaus

Lexikon | THEATERKRITIK: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015

Wenigen Stadttheater-Gehern ist heute bewusst, welch wichtige Rolle im Theaterleben der Shakespeare-Zeit der Commedia dell'Arte zukam. Das Spiel der Masken und schablonenhaft definierten Figuren wie Arlecchino und Colombina verschwand mit dem Ende des 18. Jahrhunderts für lange Zeit von den Bühnen. Shakespeare-Zeitgenosse und Konkurrent Ben Johnson hat in seiner Komödie "Volpone" deutliche Anleihen an der damals beliebten Form genommen - das vielleicht auch, weil er seine Trickbetrüger-Story in Venedig angesiedelt hat, einer Stadt der frühkapitalistischen Ausschweifung und Hochburg der Commedia dell'Arte. Die Typenlehre des Genres verknüpfte der klassisch gebildete Johnson mit jener der Fabel und formte so gut zugespitzte Karikaturen: Fuchs und Rabe, Geier, Habicht oder Krähe stellen Fratzen der Unmoral vor, in denen sich mindestens fünf von sieben Todsünden manifestieren. Stefan Zweig, der "Volpone" wiederentdeckt und dramatisch revitalisiert hat, behielt dies bei.

In der Berner Produktion, die nun in Graz zu sehen ist, hat Regisseurin Claudia Bauer die satirische Überzeichnung der Figuren in eine beinahe historisierende Spielweise übersetzt, die sich des Gestus der Commedia dell'Arte bedient. Ein interessanter Zugang, der in dieser Klarheit noch nicht oft zu sehen war. Volpone der Fuchs, bei Bauer ein scheinheiliger Schmerzensmann, ist mit Andri Schenardi stark besetzt, Julia Gräfner definiert die Rolle des intriganten Dieners Mosca (Mücke) neu, aber auch Franz Solar als Wucherer Corbaccio (Krähe) kommt die Inszenierung sehr entgegen. Einfach, spannend. F Schauspielhaus, Mi, Do 19.30


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