Urbanes Betragen

Benimmfibel für Großstadtmenschen (236)

Stadtleben | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015

Frau G. fragt, ob es denn sein muss, dass sich Menschen in aller Öffentlichkeit an ihren Geschlechtsteilen kratzen.

Wenn es juckt, muss man sich kratzen. Der Körper reagiert reflexartig auf das Kitzeln auf der Haut. Auch reine Willensstärke kann den Juckreiz auf Dauer nicht unterdrücken, das weiß man. Und Sie stören sich ja auch nicht daran, wenn sich Mitbürger schnell mal am Hals oder Unterarm kratzen, oder? Öffentliches Eierkraulen, Sortieren des Gemächts oder Zurechtrücken des Stringtangas fällt hingegen in eine andere Kategorie und wäre von Freiherr Adolph Knigge sicherlich ebenso verpönt worden wie Rülpsen, Furzen, Nasenbohren oder Ausspucken - jeder tut es, bloß es sollte abseits der Öffentlichkeit geschehen. Hilft Ihnen bei der Lösung Ihres Problems zugegebenermaßen wenig. Sie haben nur zwei Möglichkeiten: stilles Erdulden oder Einmahnung guten Benehmens. Viel Glück! Der Freiherr sei mit Ihnen!

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige