Zärtliches Schlachten

Oft biologisch und im besten Fall aus Österreich: So viel wissen wir über das Fleisch, das wir essen. Aber wie ist das Viech gestorben? Zu Besuch bei Wiens letztem Schlachter

Stadtleben | Fleischbeschau: Lukas Matzinger, Barbara Tóth | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Die Straßen sind leer, die Ampeln blinken, die Stadt ist ruhig. Die Stille einer Sonntagnacht ist bemerkenswert, und gerade hier draußen, im südlichsten Winkel von Atzgersdorf, kaum mehr als Wien zu erkennen.

Fünf Männer mit weißen Schürzen, weißen Hosen, weißen Gummistiefeln und weißen Kapperln wetzen die Messer. Sie töten jetzt. 20 Schweine werden es in dieser Nacht sein. Um ein Uhr geht’s los. Hier, in der Loosgasse 3, im hintersten Eck dieser Stadt, ist der letzte Ort, wo in Wien noch Tiere geschlachtet werden. Die 60 Jahre alte Fleischerei Hödl ist die letzte, die das Geschäft des Betäubens, Tötens, Zerteilens, Verwurstens und Kühlens, Räucherns und Einkochens noch im Ganzen selber erledigt. Sonst fließt kein Blut mehr in dieser Stadt, seit 1997 schon nicht mehr, als der letzte kommunale Schlachthof der Stadt in Sankt Marx endgültig seine Tore schloss.


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