Hugo Portischs Memoiren: Lesenswerte Zeitgeschichte

Endlich: Einer der prägendsten Journalisten des Landes erzählt aus seinem Leben und dem seiner politischen Zeitgenossen

Rezension: Oliver Rathkolb | Politik | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015

Die jüngsten Reaktionen von höchst kritischen und unabhängigen Journalistinnen und Journalisten bestätigen die Ansicht des Rezensenten: In den USA hätte Hugo Portisch längst mehrere Pulitzerpreise für den "Dienst an der Öffentlichkeit" oder in anderen Kategorien wie Auslandsberichterstattung, Geschichts- und Sachbücher bekommen.

Völlig unaufdringlich bietet Portisch jetzt in seiner aufregend geschriebenen Autobiografie einen Einblick in ein ungewöhnliches Leben eines Vollblutjournalisten, der das NS-Regime und das Kriegsende in Bratislava/Pressburg ebenso erlebt hat wie alle zentralen Entwicklungen der Zweiten Republik.

Als er 1948 als junger Dr. phil. der Zeitungswissenschaft seine erste Stelle als "Redaktionseleve" bei der bürgerlichen Wiener Tageszeitung bekam, begann er politische Entscheidungsprozesse auch aus der Nähe zu beobachten. Trotzdem blieb er auf freundlicher und nachhaltig erfolgreicher Distanz zur Parteipresse und Politik. In einem Ausbildungskurs der School of

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