Muslim Fashion Victim

Ist es ein politisches Statement, wenn H&M mit einem Hidschab wirbt?

Stadtleben | Stilkritik: Birgit Wittstock | aus FALTER 43/15 vom 21.10.2015

Ein Werbespot mit einer jungen Muslima in Hidschab begleitet von der Aufforderung "Sieh schick aus". In Tanger, Algier, Istanbul oder anderen Metropolen islamischer Staaten völlig alltäglich. In Europa, wo man sich vor Islamisierung und damit einhergehender Unterdrückung der Frau fürchtet, eine Provokation. Und die kommt ausgerechnet mitten aus dem Mainstream, vom schwedischen Allerweltsausstatter H&M. Mit seiner neuen Kampagne "Close the Loop" gelingt dem Konzern etwas, was Mode bereits in den vergangenen 170.000 Jahren, seit sich der Mensch in Kleidung hüllt, tat: politische Statements setzen.

Anfangs lediglich Schutz vor Kälte, Nässe, Wind und Sonne, wurde die künstliche Hülle spätestens im Römischen Reich der Antike vom reinen Gebrauchsgegenstand zum Spiegel der Gesellschaft: Während sich der gewöhnliche Römer in eine weiße Toga aus Wolle wickelte, warfen sich die reichen Eliten purpurnes Tuch über die Schulter. Kleidung als Medium für Ästhetik und Haltung war entstanden


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