"Die Akademiker haben sich sehr lange abgeputzt"

Der Chefkurator des Jüdischen Museums Wien, Werner Hanak-Lettner, und der Wissenschaftspublizist Klaus Taschwer im Gespräch über die Universität Wien, die schon lange vor den Nazis eine Hochburg des Antisemitismus war

Feuilleton | INTERVIEW: KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Im Jubiläumsjahr 2015, in dem die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis ihr 650-jähriges Bestehen feiert, wird nun endlich auch eines der dunkelsten Kapitel der Universität Wien aufgearbeitet. Ein Buch und eine Ausstellung zeigen anhand extensiver Recherchen, dass ausgerechnet das akademische Milieu als Avantgarde des Antisemitismus gelten muss. Bereits in den 1870ern entfaltet der rassistische Antisemitismus an der Universität Wien seine nicht nur "atmosphärische", sondern auch handfest wissenschafts-und personalpolitische Wirkung und entfesselt nach dem Ersten Weltkrieg einen Terror von heute unvorstellbarer Brutalität. Zwei Jahrzehnte vor dem "Anschluss" wird die Vertreibungsund Vernichtungsoffensive der Nazis vorbereitet, werden die systematischen Attacken des rechten Mobs gegen jüdische Studierende und Lehrende von der fast lückenlos antisemitisch eingestellten Universitätsleitung hingenommen oder sogar gefördert.

Der Wissenschaftsjournalist und -publizist Klaus Taschwer räumt


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