Tiere

Sack und Pack

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015


Die neue oberösterreichische Landesregierung setzt sich nur mehr aus Männern zusammen. Ich vermute, dass man sich bei dieser Entscheidung ausschließlich an den Erkenntnissen des kanadischen Psychologen David Feinberg orientiert hat. Da sich in den letzten Jahrzehnten die Stimmlagen von Frauen um eine Terz, also zwei bis drei Halbtöne, gesenkt haben, erforschte dieser die Gründe dafür und fand heraus, dass Testpersonen mit tieferer Stimme von Zuhörern als stärker, kompetenter und erfahrener eingeschätzt wurden. Der Idealpolitiker wäre demnach 50 Jahre alt, männlich und Bariton. Also offenbar eine rein rationale, evidenzbasierte Besetzung der Landesratsposten.

Man sollte überhaupt bei Entscheidungen über Führungskräfte mehr die Erkenntnisse der Wissenschaft berücksichtigen. Der Verhaltensbiologe Tecumseh Fitch von der Universität Wien hat die Kehlkopf- und Hodengrößen von Brüllaffen vermessen und einen interessanten Zusammenhang festgestellt: Je kleiner die Hoden, um so tiefer ist und attraktiver wirkt die Stimme. Zumindest auf Brüllaffenfrauen. Da die Affenherren so viel Energie für das Wachstum eines leistungsfähigen Kehlkopfs brauchen, steht für andere Organe eben weniger zur Verfügung. Ich bin trotzdem dagegen, vor einer Wahl die Hodengröße der Kandidaten zu veröffentlichen. Dies aber nicht, weil ich es für ein peinliches Spektakel halte (da gibt es im Wahlkampf würdelosere Momente), sondern weil die kosmetische Chirurgie bereits ausgezeichnete und lebensechte Testikelprothesen anbietet.

Dieses paarig angelegte, innere männliche Geschlechtsorgan produziert das Sexualhormon Testosteron und ist daher eigentlich der Inbegriff der Männlichkeit. Und nicht Form und Größe des Penis. Auch das Frauenmagazin Glamour macht sich Sorgen: „Die Hoden werden nicht nur beim Sex häufig vernachlässigt, sondern sind auch ansonsten nicht so im Gespräch wie das männliche Glied.“

Zumindest eine koreanische Universität interessierte sich dafür und hat Lebensdaten von Eunuchen mit den Daten von Männern mit funktionsfähigen Hoden verglichen. Ergebnis: Ohne Testikel lebt man im Durchschnitt um mehr als 14 Jahre länger.

Da fällt einem die Wahl zwischen gut behangenen und sacklosen Politikern schon schwer. Oder vielleicht doch einfach wieder Frauen mitregieren lassen? Da erspart man sich den ganzen Eiertanz.


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