Am Apparat Telefonkolumne

Wieso wollen Sie Geld von den ÖBB, Herr Haselsteiner?

Politik | INTERVIEW: NINA HORACZEK | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Ein veritabler Shitstorm ergoss sich über die Westbahn, nachdem bekannt wurde, dass die Privatbahn von den ÖBB einen Rabatt beim Bahnhof-Benützungsentgeld fordert, weil die "andauernde Flüchtlingskrise" zu Zuständen für Bahnreisende führe, die "völlig unzumutbar und unbeschreiblich" seien. Dem Falter erklärt Westbahn-Hälfteeigentümer Hans-Peter Haselsteiner, wieso er sich von den ÖBB reingelegt fühlt.

Wieso will die Westbahn wegen der Flüchtlinge den ÖBB weniger zahlen?

Das ist eine wirkliche Bosheit der ÖBB. Wir haben im Verhältnis genauso viele Flüchtlinge befördert, wir sprechen uns täglich mit den ÖBB ab, wir haben im Gegensatz zu den ÖBB nie ein Aufheben darum gemacht, sondern ihnen die Lorbeeren überlassen. Jetzt stellen uns die ÖBB dar, als wollten wir Profit aus den Flüchtlingen schlagen.

Aber die Westbahn verlangt doch wegen der Flüchtlinge einen Zahlungsnachlass.

Wir haben 25 Prozent Umsatzrückgang. Wir fordern einen Nachlass auf die Bahnhof-Benützungsgebühr, weil aufgrund der völlig unbefriedigenden Situation an den Bahnhöfen viel weniger Menschen mit dem Zug fahren.

Was meinen Sie damit?

Am Bahnhof Salzburg kommen sie kaum durch die Halle, weil die vollgepfercht ist mit lauter armen Teufeln, die nach Deutschland weiterwollen.

Warum soll die ÖBB deswegen auf Geld von der Westbahn verzichten?

Weil sie die versprochenen Leistungen nicht erbringt und uns das viel Geld kostet. Den ÖBB ist das egal, die kriegen ständig Geld vom Staat. Wir als private Unternehmer müssen hingegen unsere Verluste selbst abdecken.

War der Brief an die ÖBB ein Fehler?

Selbstverständlich. Er wurde zur falschen Zeit geschrieben. Aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass die ÖBB uns so reinlegt. Die wissen genau, was wir für Flüchtlinge geleistet haben.


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