Der Kampf des Kolporteurs

Früher brachte Augustin-Verkäufer Michi 107 Exemplare an. Heute sind es nur 35. Wer ihn begleitet, erfährt vieles über die Straßen von Wien

Medien | REPORTAGE: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Michi, Jahrgang 1953, bitte kein Nachname, in der Hüfte sticht’s, hat sich die Umhängetasche umgeschnallt und lehnt am Stock. Es ist kurz nach 9 Uhr, Straßenbahnhaltestelle Arthaberplatz, Wien-Favoriten. Vor Michi rauschen die Autos, sie machen ihm Angst. Vor eineinhalb Jahren hat ihn auf dem Weg zur Arbeit ein SUV am Zebrastreifen abgeschossen, beide Hände geprellt, Fuß gebrochen. Nun hat er Angst auf großen Plätzen und vor Straßen, die unüberwindbar scheinen.

Michi hat schütteres Haar, sein weißer Pulli legt sich über seinen Schmerbauch. Er spricht mit der Stimme von Bud Spencer, und wenn er lacht, nimmt er seinen ganzen Körper dabei mit. Michi wird auf seiner Augustin-Verkaufstour oft lachen. Hier, an der dichtbefahrenen Haltestelle Arthaberplatz, beginnt sie.


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