Kommentar Kindergarten

Wenn Kinder weniger wert sind als das Service des Autos

Falter & Meinung | NINA HORACZEK | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Wofür sind wir bereit, mehr Geld auszugeben? Dafür, dass unser Auto ein ordentliches Service bekommt, oder dafür, dass unsere Kinder bestmöglich betreut sind?

Sieht man sich an, was Kindergartenpädagoginnen verdienen, so könnte man meinen, das Auto ist uns wichtiger als das eigene Kind. Eine ausgebildete Pädagogin bekommt im ersten und zweiten Berufsjahr 2052 Euro brutto und hat kaum Chancen, dass sich dieses Einkommen im Laufe der Jahre signifikant steigert. Eine Kindergartenassistentin geht mit nur 1400 Euro brutto nach Hause.

Kein Wunder, dass sich die Pädagoginnen (und die wenigen männlichen Pädagogen), die Baby bis Vorschulkind umsorgen, nun gegen die schlechte Bezahlung wehren.

Es geht aber nicht nur ums Geld. Es geht auch um die fehlende Anerkennung für diesen Job. "Das bisschen Spielen, das soll eine Arbeit sein?", hört man immer wieder über die fast ausschließlich weiblichen Beschäftigten in Kindergärten und Krippen.

Dabei ist längst auch wissenschaftlich erwiesen, welch großen Einfluss frühkindliche Förderung auf die weitere Bildungskarriere hat. Nicht zuletzt beim Thema Integration. Eine Studie aus Deutschland hat gezeigt, dass bei Kindern mit türkischer Muttersprache, die drei Jahre hindurch einen Kindergarten besuchten, nur 19 Prozent in der Schule eine Sprachförderung benötigen. Bei Kindern, die nur ein Jahr lang in den Kindergarten gingen, waren es hingegen 62 Prozent.

Aber nicht nur bei Migranten entscheidet der Kindergarten als erste Bildungsinstitution darüber, was ein Kind einmal wird, wenn es erwachsen ist. Das sollte einer Gesellschaft mehr wert sein, als nur in Autos und Autobahnen zu investierer.


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