Film Neu im Kino

Ernst und leicht: "A Perfect Day"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Langsam bewegt sich eine amorphe Masse aus dem Bildzentrum heraus. Es ist eine Leiche, die aus einem Brunnen gezogen wird. Ob in dem nicht näher benannten Balkangebiet des Jahres 1995 noch Krieg oder schon Frieden herrscht, ist nicht ganz klar, sicher ist allerdings, dass der Tote entfernt werden muss. Unter der Leitung des charismatischen Mambrú versucht das Team einer Hilfsorganisation sein Bestes. Nachdem das Seil reißt, beginnt eine 24-stündige Odyssee auf der Suche nach Ersatz.

"A Perfect Day", der auf Paula Farias Roman "Dejarse Ilover" beruht, lebt von der Balance der Genres und Stimmungen. Zum einen ist er scharf beobachtendes Drama, das die Lebensgeschichten seiner sechs Protagonisten streift: Mambrú, der bald in ein bürgerliches Leben zurückkehren will, der abgebrühte "B", dessen Humor sich dem Schrecken seiner Umgebung angepasst hat, die junge, unerfahrene Sophie, Damir, der in sich gekehrte einheimische Dolmetscher, Katya, die die Arbeit des Teams beurteilen soll, und der Bub Nikola, den Mambrú aufliest.

Mit der Suche nach dem Seil, in der sich die sozialpolitischen Verhältnisse abbilden, ist der Film zum anderen Roadmovie, durchzogen von der bitteren Atmosphäre des Antikriegsfilms. Elemente der Komödie und schwarzen Komödie -seien es Liebesschwierigkeiten, seien es bürokratische Auswüchse im Umfeld der Hilfsorganisationen -bilden einen weiteren Schwerpunkt.

Die kunstvolle Leichtigkeit, mit der diese dichte Mischung zu einem Ganzen zusammenfließt, versetzt in Erstaunen und ist nicht nur Regisseur Fernando León de Aranoa, sondern auch der Besetzung geschuldet: Benicio Del Toro, Tim Robbins, Olga Kurylenko, Mélanie Thierry, Fedja Stukan und Jungschauspieler Eldar Residovic. Sehenswert!

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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