Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Idyllen

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Manche Ausgaben lesen sich heute noch spannend. Zum Beispiel die Sache mit dem grünen Bezirksrat, der der Zuhälterei verdächtigt wurde, namentlich von der Kronen Zeitung. Nun hatte der gute Mann tatsächlich eine Prostituierte als Lebensgefährtin, was wiederum die Grünen spaltete. Susi Jerusalem forderte von Bezirkspolitikern Transparenz, sie müssten die Karten auf den Tisch legen. Peter Pilz hingegen meinte, es gebe legale Formen der Prostitution, und diese seien Privatsache der sie ausübenden Person. Und überhaupt: Wenn die Krone das für unmoralisch halte, lohne sich ein Blick in den Inseratenteil.

Wolfgang Neugebauer, der Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands, schrieb einen Nachruf auf den ehemaligen KZ-Häftling und Widerstandskämpfer Hermann Langbein, der als Publizist die Nachkriegsöffentlichkeit mitprägte und wie Rosa Jochmann und Simon Wiesenthal das andere Österreich repräsentierte. Langbein wurde wegen seiner Rolle im KZ von Israel später als "Gerechter unter den Völkern" ausgezeichnet.

Und dann gab es noch einen Besuch bei einem Künstler, den Doris Knecht in der Rubrik "Liebe Leserin, lieber Leser" so beschrieb: "Am Attersee fällten sie dann eine Tanne. Sie stürzte quer über die Straße und hielt den Verkehr auf. So saßen wir einfach am See, und er war sehr grün. Wir warfen Steine ins Wasser, die Sonne schien warm, und das Laub und die Bäume waren bunt vom Herbst.

Das Journalistenleben ist ein idyllisches. ,Mittwoch würde mir passen' hatte uns Friedrich Gulda gefaxt, und so waren wir nach Weißenbach am Attersee gefahren. Armin Thurnher, Fotograf Heribert Corn und ich und unterhielten uns dort lange mit dem Pianisten, der diese Woche in Wien seine Paradise Dance Party veranstaltet."(Einschub: Das war der Grund, warum Gulda mit uns reden wollte.)"Gulda erzählte uns Erstaunliches und führte uns schließlich -weil Thurnher so lästig war - noch in sein Studio, setzte sich an den Flügel und spielte Mozart, nur für uns. Und es war sehr schön."


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