Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Nicht jeder Journalist ist schön, aber alle Journalisten sind eitel. Deshalb versetzt einen der aus Chefredakteur Florian Klenks Mund gesäuselte Satz "Schick ma deinen Text per Mail, da muss man härter reingehen!" spätabends in jenen Zustand, der an den Moment im Horror-Film "The Ring" erinnert, in dem das bleiche Mädchen mit den schwarzen, klebrigen Haaren aus dem Fernseher gekrochen kommt, um die Seele des Zuschauers zu fressen.

Der Satz bedeutet nämlich nichts anderes, als dass der Redigierende die Genialität des Werks entweder nicht erkannt hat oder das Werk gar nicht so genial ist, wie man dachte. Die meisten Journalisten halten nur die erste Version für denkmöglich.

Redigate tun weh. Eine Kollegin (Name der Redaktion bekannt) versucht, ihre Texte deshalb immer perfekt abzugeben und lässt sich ihre Absätze von einem Computerprogramm vorlesen. Sie glaubt, wenn das einigermaßen cool klingt, was die blecherne Frauenstimme ihr da ins Ohr flüstert, hat es gute Chancen, auch dem Klenk-Test standzuhalten.

Was allerdings alle Journalisten wissen: Textkritische Kollegen, die Chefinnen vom Dienst (Isa Grossmann, Marianne Schreck) und vor allem auch das Team der Lektoren machen die Texte der eitlen Journalisten besser. Sie bewahren sie ziemlich uneitel vor peinlichen Rechtschreib-, Grammatik-, Sinn-und Formfehlern. Zum Nationalfeiertag deshalb ein großes, ehrliches Danke an die tollen Kollegen.

Pferdefuß der Sache: Noch bessere Texte machen die Journalisten noch eitler.


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