Stadtrand Urbanismuskolumne

Stadt ohne Netz

Stadtleben | Lukas Matzinger | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Der Autor dieser Zeilen hat bob. Also beim Handy. Er weiß, dass das nicht das Beste ist, die haben keinen Service und so. Aber das Netz sollte gut sein, eigentlich. Die fahren ja über das von der Telekom. Und das ist jedes Jahr "das beste Netz Österreichs". Auf der Netzkarte von bob ist das Stadtgebiet von Wien zu 99 Prozent grün. Es gibt ein paar klitzekleine blaue Flecken. Bei Schönbrunn ist es blau, auf dem Zentralfriedhof und ein bissl im Prater. Aber sonst überall grün. Und grün heißt Vollschuss, HSDPA, volles Gerät.

In echt ist das anders. In echt ist's aber so was von ungrün in dieser Stadt. Dass es in der U-Bahn keinen Empfang gibt, ist noch verständlich: viele Menschen auf kleinem Raum unter Tage, okay. Aber um Gottes Willen, man hat ja heute quasi nirgends mehr Empfang. Nicht im Billa, nicht am Bahnhof, nicht auf den Klos seiner Freunde. Und wehe, man geht in eine der 800 Wiener Gastwirtschaften, die in Kellern oder unter dicken Gewölben liegen. Das Netz wird einen abschneiden. Von alldem, was hinter diesen Mauern liegt. Und sein Leid wird man noch nicht mal mitteilen können.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige