Gift im Garten Eden

Die Künstlerin Eva Leitolf nähert sich dem Thema Flucht mit kalten, schönen Bildern. Und vermeidet so billige Mitleidseffekte

Feuilleton | WERKPORTRÄT: MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Kalabrien im Jänner 2010. Die deutsche Künstlerin Eva Leitolf ist in den Ort Rosarno gereist, wo es kurz vorher Brandanschläge auf die Unterkünfte afrikanischer Saisonarbeiter gegeben hatte. Leitolf streifte durch die leeren, dreckigen Hallen einer stillgelegten Fabrik, wo hunderte Menschen gelebt hatten. Auf einem Herd stand ein Topf mit Spaghetti, den die Bewohner zurückließen, als sie vor dem Mob flüchteten.

"Ich konnte es nicht glauben, dass es in Italien so etwas gibt", erinnert sich Eva Leitolf, die im Kunst Haus Wien derzeit eine Ausstellung über Migration zeigt. Damals war das Thema noch weit weg, heute hat es auch den Bayerischen Wald erreicht, wo Leitolf wohnt. Im Nachbarort sind einige syrische Flüchtlinge untergebracht. "Rosarno ist näher gekommen."

Eva Leitolf begann im Jahr 2006 mit dem Projekt "Postcards from Europe". Der Umgang mit Flüchtlingen an den Außengrenzen der Europäischen Union und deren klischeehafte Darstellung in den Medien hatten die Künstlerin neugierig


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige