Ohren auf Swiss Made Jazz

Vier, drei, zwei: Ein Saxofon ist stets dabei

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Wenn ein Stück "The Opener" heißt, muss es auch als solcher fungieren. Es hebt denn auch ansprechend hymnisch-coltranesk an, wird dann ein bissl kitschig und zerfasert zwischendurch in Improvisationen, die sich nicht mehr ans Thema erinnern. Auch kein Malheur, denn schon mit der nächsten Komposition fasst das Ulrich Gumpert Quartett Tritt.

Der deutsche Pianist hat mit dem großen Steve Lacy zusammengespielt und in dem Lacy-Schüler Jürg Wickihalder einen kongenialen Partner gefunden, der (am Sopran) in Hinblick auf Tonumfang, Eleganz der Melodieführung und die mathematische Klarheit der Improvisation an seinen Lehrer erinnert, wohingegen Gumpert auf "The Bop &The Hard Be" deutliche Referenzen an den von Lacy verehrten Thelonious Monk aus den Handgelenken streut. Weswegen "A New Thing" (Intakt) dann doch ein abwechslungsreiches und überzeugendes Album geworden ist.

Eine ganz andere Angelegenheit ist "Hotel Grief"(Intakt): US-Filigranzeugler Tom Raney begibt sich gemeinsam mit der Schweizer Saxofonistin Ingrid Laubrock und seiner Landsfrau, der Gitarristin Mary Halvorson, auf introvertiert-versponnene Improvisationsausflüge, die mitunter schon zu Weitwanderungen ausarten und subtilen Erkundungen des sonoren Spektrums der Instrumente den Vorzug vor groovender Bündigkeit oder hochgepowerter Expression geben.

Die Zeiten, da der US-Saxofonist Chico Freeman als wilder Hund galt, liegen lange zurück. Gemeinsam mit dem Bassisten Heiri Känzig hat er auf "The Arrival" (Intakt) ein Dutzend schnörkelloser sonorer Vignetten eingespielt, die sich strikt an die Geschwindigkeitsbeschränkungen in bebautem Gebiet halten. Das gerät nie sentimental oder überüppig, aber weil's doch auf Martini zugeht, sei der Vergleich gewagt: Die beiden stecken so appetitlich im eigenen Wohlklang wie die Lebern im Gänseschmalz.


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