Selbstversuch

Damit man es hat, falls man es braucht

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Hashtag SpaßmitdenaltenEltern. Der Vater ruft an, mit hörbarem Vorwurf in der Stimme. Ob eh alles in Ordnung sei? Ja, alles paletti, wieso? Weil er ein Mail geschickt habe, mit ein paar drängenden Fragen darin, er brauche die Antworten, deshalb. Ja, man hat das Mail gesehen und umgehend ebenfalls eins geschickt, in dem all diese Fragen beantwortet sind: Ist das Mail nicht angekommen? Na, das weiß er nicht, sagt der Vater, er hat nicht in die Mailbox geschaut, also, wann kommen die Kinder jetzt genau an? Viertelvoracht, Papa.

Die Teenager verbringen das lange Wochenende bei den Großeltern; nach einer anstrengenden Woche. Lesung in der Schweiz, "Ochs im Glas"-Präsentation, Lesung, packen, Teenager in den Zug setzen, was jetzt ein wesentlich schmerzfreierer Vorgang ist, als noch vor zwei Jahren. Ja, tschüss, ich dich auch, dir viel Spaß in Venedig. Sie sind schon sehr groß jetzt. Sie sind schon so groß, dass die Mutter sich jetzt immer wieder Befragungen stellen muss: Hast du mal was gefladert? Hast du mal Schule geschwänzt? Wann bist du zum ersten Mal richtig ausgegangen? Wann die erste Zigarette, der erste Alkohol, der erste Joint? Man kann original zusehen, wie die gelieferte Information in den Teenagerhirnen in gut beschriftete Ablagefächer geschoben wird, in denen man sie leicht finden wird, wenn man sie einmal braucht. Und man sieht leider auch, dass sie trotz nach wie vor aufrechter Total-Ablehnung von all diesen Sachen schon eine Idee davon haben, dass sie die Info eventuell einmal brauchen könnten.

All diese Fragen sind allerdings leichter zu beantworten als die, warum es möglich ist, dass in Oberösterreich keine Frauen in der Landesregierung sitzen. Keine? Keine. Warum machen die das? Weil sie es können. So eine Sauerei. Ja, eine unglaubliche Sauerei. Das sollte verboten sein! Ja, das sollte es.

Am Tag, bevor die Teenager zu ihren Großeltern fahren, hat jedenfalls die Erziehungserwachsene ziemlich viel Erwerbs-und andere Arbeit erledigt und danach die heimkommenden Teenager auf schnellschnell mit irgendwelchen Nudeln und Kofferpack-Anweisungen abgespeist, weil es musste nach Niederösterreich gefahren werden, um dort zu lesen. In der U-Bahn Sorge, ob man den Zug erwischt. Im Zug sich gefragt, warum die Veranstalter eigentlich wollten, dass man eine Stunde vor der Lesung erscheint (wollten sie gar nicht, erfuhr man später), am Veranstaltungsort gewartet, dass die dann wenigstens auch auftauchen, was nicht geschah. Dann auf die Uhr gesehen und festgestellt: man ist eine Stunde zu früh dran. Also insgesamt zwei. Zahlen kann ich nicht, nur Buchstaben.

Immerhin: es war ein schönes Kurhotel mit einem großen Bar-Foyer, und weil es Dienstag war, machten sich die Kurgäste gerade für den Musik-und Tanzabend fein und die Band kam schon. Bevor ich später wieder auf den Zug ging, sah ich die Leute tanzen, in heruntergeschummertem Licht, zu Peter Cornelius, und das war sehr schön.


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