Nüchtern betrachtet

Für eine Weltspartagwelt mit Erdbeermarmelade


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Vom Neoliberalismus, den alle kritischen Geister ständig im Munde führen, versteh ich so viel wie Chuck Norris vom Yarn-Bombing. Aber wenn das, was wir haben, Neoliberalismus ist, weiß ich eines: Gemütlich ist der nicht. Nun hat die Gemütlichkeit ja nicht bloß unter Akzelerationisten einen schweren Stand, sondern selbst in recht relaxten kapitalismuskritischen Kreisen allenfalls ein "So-lala"-Image. "Gemütlichkeit", so heißt es dort oft, "ist die kleine Schwester von Scheißdrauf."

Warum die Leute immer auf den kleinen Schwestern rumhacken müssen? Mir tut so was weh. Das mephistophelische Ethos der Alerten und Zeitgemäßen, die allem, was zugrunde geht, ein hämisches "Und Tschüss!" hinterherrufen, widert mich an. In the long run we are all dead, und für unsereinen wird der run so long nicht mehr sein, also arrogiere ich mir das Recht auf meine sentimentale Sackhaftigkeit und darauf, den Flaschen von gestern hinterherzuflennen.

Das Perlhuhn in der Bude mit dem coolen Krakeldeckenfresko

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