Kunst Kritik

Angestaubt: Die 1980er-Jahre im Wien Museum

Lexikon | MD | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Die Ausstellung "Ballgasse 6" dokumentiert eine wichtige Phase in der neueren Wiener Kunstgeschichte. Als der Grazer Peter Pakesch 1981 eine Galerie in einer Gasse unweit des Stephansdoms eröffnete, befand sich die Stadt gerade in einem kulturellen Aufbruch. Zwölf Jahre später sperrte Pakesch seine Kunsthandlung wieder zu; da hatte Wien den Muff der Nachkriegszeit hinter sich gelassen.

Der Ex-Galerist übergab das Galeriearchiv dem Wien Museum, und der inzwischen pensionierte Direktor Wolfgang Kos machte aus den mit einigen Leihgaben ergänzten Materialien eine Schau über das "Kunstwunder von Wien" (so die Schlagzeile eines Kunstmagazins im Jahr 1986). Im Zentrum stehen jene Talente, für die die Ballgasse oft die erste Station einer großen Karriere war. So mutierte Franz West hier vom Szeneoriginal zum Erneuerer der Skulptur. Heimo Zobernig machte erste Schritte in Richtung Minimal Art und geometrische Abstraktion, und auch die bösen Jungs der deutschen Malerei, Martin Kippenberger und Albert Oehlen, hatten bei Pakesch frühe, wichtige Auftritte.

Einladungen, Briefe, Fotos und einige wenige Originale, etwa Oehlens cool-expressives Gemälde "Gaswerk", 1984, vermitteln die Galerie als Umschlagplatz von Ideen und Zentrum eines bis nach Kalifornien reichenden Netzwerks. Im Schatten New Yorks stehend, verknüpften L.A.-Künstler wie Mike Kelley originell Popkultur mit europäischem Aktionismus.

So interessant das Material im Detail auch sein mag, so enttäuschend ist dessen räumliche Inszenierung. Viel zu eng stehen die Vitrinen und Stellwände beieinander. Das schummrige Licht verbreitet die Atmosphäre eines Antiquariats. Auch eine Hörzelle, in der Beispiele von Künstlerbands zu hören sind, vermag die verstaubte Geschichte nicht in die Gegenwart zu transportieren.

Wien Museum, bis 14.2.2016


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