Im Namen des Vaters

Wie ist es, der Sohn eines Massenmörders zu sein? Ein englischer Regisseur hat darüber einen berührenden Film gedreht, der auch ins Weinviertel führt


VORSCHAU: ANNA GOLDENBERG
Feuilleton | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Die spannendsten Momente des Films "My Nazi Legacy: What Our Fathers Did" scheinen auf den ersten Blick unspektakulär. Etwa der leere Vortragssaal der Universität Lwiw in der Ukraine. Hier stehen drei Männer über 50, beige Hosen, Brillen.

Sie versuchen eine Szene nachzustellen, die sich im Sommer 1941 in diesem Raum ereignet hat. Niklas Frank tritt an das Rednerpult und liest aus einer Rede vor, die sein Vater einst hielt. Hans Frank war Generalgouverneur des besetzten Polens und kündigt an, die Stadt, die nach dem Überfall der deutschen Truppen kurz zuvor nun Lemberg hieß, bald von Juden befreit haben zu wollen. Schon heute habe er kaum Juden gesehen.

Ob Otto Wächter, der Gouverneur des Distrikts Krakau, etwas Schlimmes mit ihnen angestellt habe? Gelächter im Publikum, zitiert Niklas Frank aus dem Protokoll.

Horst Wächter, Ottos Sohn, hört zu, gemeinsam mit Philippe Sands, einem einflussreichen britischen Menschenrechtsanwalt und Nachkommen einer jüdischen Familie, die während

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