Enthusiasmuskolumne Diesmal: Die beste Übersetzung der Welt der Woche

Es geht recht flott zwischen Ampu und Zot

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Clemens J. Setz ist der Pornostar unter den österreichischen Literaten: Er kann immer und länger als alle anderen. Da wird sogar Thomas "The Stallion" Glavinic ein bisschen blass um die Nase. Bei dem, was der Vielschreiber, -leser und -wisser so rausballert und aufsaugt, fragt man sich, wie sein Tag aussehen mag?

So: Aufstehen um halb fünf, ein bisschen Obertongesang beim Duschen, während des Frühstücks (Honigpops) schon mal einen Romanzyklus von William T. Vollmann weglesen. Dann 14 Stunden schreiben, Leberkässemmel, acht Stunden im Netz surfen, leicher Snack, zeitig zu Bett.

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Geht es ihm besonders leicht von der Kralle, kann man ja schnell was übersetzen. Zum Beispiel "The Utter Zoo", mit dem der geniale amerikanische Zeichner Edward Gorey (1925-2000) an Wilhelm Buschs "Naturgeschichtliches Alphabet" anknüpft, nur dass die Tiere hier alle der Fantasie des Zeichners entsprungen sind.

Wie man die Reime Goreys verbummfideln kann, hat Alex Stern bei "Ein fragwürdiger Gast" unter Beweis gestellt. Der Lilienfeld Verlag hat daraus gelernt und für "Der andere Zoo" (56 S., € 15,30) den Marathonmann aus Graz als Übersetzer engagiert, der sich prompt auch als super Sprinter erweist. Beim Ombledroom (dt.: Ombeldruhm) geht das relativ leicht, weil sich "weiß und breit" auf "Dunkelheit" reimt wie "vast and white" auf "night", und der Yawfle/Yaffel ist sowieso aufgelegt: "starrt und starrt und starrt."

Ears und tears reimen sich nur im Englischen, weswegen das Wamblus zum Tränenputzen "die großen weichen Ohren nutzen" muss. Absolut astrein auch Setzens Übersetzung jenes Vogels, der bei Gorey "enormous claws" hat und "full of flaws" ist: "Der Kwongzu hat sehr große Klauen / Und mangelhaftes Weltvertrauen."


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