Gelesen Bücher, kurz besprochen

Marx, auf Freuds Couch gelegt

Politik | JULIANE FISCHER | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

"Gott der Welt, die Frau, die du mir gabst, ist mir weggelaufen", sprach Adam über Lilith, eine höchst interessante mythologische Figur, der alles Mögliche zugeschrieben wird, vor allem aber, dass sie sich gegen Unterdrückung wehrte und ihre Flucht in einem Fluch mündete.

Die beiden Autoren, der tschechische Starökonom Tomáš Sedláček und der österreichische Journalist Oliver Tanzer, geben sich experimentierfreudig, wenn sie zur babylonischen Legende zurückkehren, um die Conditio humana aus dieser Warte zu verstehen und daran wirtschaftswissenschaftliche Modelle von Karl Marx, Robert Keynes bis hin zu Slavoj Žižek zu messen. Sedláček ist seit seinem ersten Buch, "Die Ökonomie von Gut und Böse", darauf spezialisiert, die nicht logischen Mechanismen unserer Gesellschaft und der Ökonomie, die sie prägt, zu sezieren.

Da siedeln sie die Betrachtungen der gegenwärtigen Gesellschaft an, etwas, das in ökonomischen Diskursen oft untergeht. Fantasievoll ist die Idee, in der Psychologie einzuhaken, und wer böte sich da besser an als Sigmund Freud, der ja selbst seine Theorien auf Mythen stützte.

Tomáš Sedláček und Oliver Tanzer: Lilith und die Dämonen des Kapitals. Die Ökonomie auf Freuds Couch. Hanser Verlag, 352 S., € 26,80


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige