Hollegha-Schau: Die Wirklichkeit ist eine Farborgie in abstrakten Formen - gar nicht fad

Lexikon | Ausstellungskritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Selten ist sich ein Maler über Jahrzehnte in Form und Willen, Technik und Idee so treu geblieben wie Wolfgang Hollegha. Die ihm von Günther Holler-Schuster in der Neuen Galerie ausgerichtete Personale zeigt einen seit 60 (!) Jahren am selben Thema, dem eigenen Schauen, arbeitenden Künstler. Das einzige noch klar "gegenständliche" Bild in der Ausstellung stammt aus 1946 und gibt, in schwarzer Kreide auf Papier, den Blick in ein stark durchlichtetes Gestrüpp, er bleibt dabei an einem einzelnen, recht präzise erfassten Baum hängen. Es wirkt, als hätte der damals 17-Jährige bereits durch die monumentale Verglasung geschaut, die heute sein Atelier am Rechberg zum architektonischen Ausdruck einer mächtigen Naturverbundenheit erklärt, wie man sie dem Künstler in Anbetracht der folgenden Werke gar nicht zugestehen würde.

Wenig später hat sich Hollegha nämlich vom nachvollziehbar Mimetischen gelöst, und die Wirklichkeit in abstrakte Formen übersetzt, die sich bereits Mitte der 50er-Jahre in einzelne, duftig auf weißem Grund schwebende Farbflecken auflösen werden und das Werk bis heute bestimmen. Was wie reine Malerei daherkommt, hat dann aber Titel wie "Kleines Schiff","Gelbes Säckchen" oder "Holzstück". Es sind die Requisiten einer überraschend kleinen Welt, die in Holleghas Malerei ihren oft mehrfachen Auftritt haben, als Objekte eines sich selbst begreifen wollenden, aber auch genießen könnenden Schauens, das in aller Gelassenheit und Redundanz seine Spuren auf tendenziell immer größeren Formaten hinterlässt. Vor solchen Farborgien kann einem auch schwer fad werden.

Neue Galerie, Graz, bis 7.2.


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