Film Neu im Kino

Ernst und schwer: "Macbeth"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015

Zweitausendfünfzehn scheint das Jahr Michael Fassbenders zu sein: Nach dem Western "Slow West", dem Musikerdrama "Frank" und kurz vor dem Start von "Steve Jobs" ist der Schauspieler mit deutsch-irischen Wurzeln nun als mörderischer König in Justin Kurzels Shakespeare-Adaption "Macbeth" zu sehen.

Kurzel hat sich für eine klassische, werkgetreue Verfilmung entschieden: In den schottischen Highlands wird der (gekürzte) Originaltext gesprochen, Kostüme und Ausstattung sind dem Mittelalter entsprechend gewählt. Inhaltlich fügt Kurzel der Geschichte vom blutigen Aufstieg und Fall eines machthungrigen Paares nichts hinzu - wie schnell Macbeth und seine Lady nach der Prophezeiung der Hexen zu Mord und Betrug bereit sind, muss man hier wie im Stück hinnehmen.

Größeres innovatives Gewicht liegt auf der Atmosphäre und der Form: Das Schlachtgemetzel zu Beginn erstarrt zu langen Zeitlupen, Figuren sprechen direkt in die Kamera und durchbrechen damit die vierte Wand. Dieser absichtlichen Zergliederung als Kunstgriff steht ein unabsichtlicher Zerfall in einzelne Szenen gegenüber, der unterschiedlichen Intensitäten geschuldet ist. Großartige, mit fast heiliger Ruhe gefilmte Monologund Dialogsequenzen - im Zentrum natürlich jene zwischen Macbeth und Lady Macbeth, die von Marion Cotillard verkörpert wird - stechen aus dem grausen Fiebertraum des restlichen Werks hervor.

Wenn die schottischen Berge zum Schluss in einem roten Farbrausch glimmen und sich die schwere Decke der Düsternis über die Welt gebreitet hat, bleibt bei aller Grausamkeit ein etwas blutleerer Gesamteindruck zurück. Für die großen Momente und die schauspielerisch beeindruckende Leistung von Michael Fassbender und Marion Cotillard lohnt ein Kinobesuch dennoch.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Haydn, OmU im Village)


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